Brustkrebs

Nach der Diagnose Ernährung umstellen

Frauen, die sich nach einer Brustkrebsdiagnose gesund ernähren, leben offenbar länger. Das hat die Auswertung einer großen Kohortenstudie gezeigt.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:
Gesundes Essen - für Frauen nach der Diagnose "Brustkrebs" offenbar besonders wichtig.

Gesundes Essen - für Frauen nach der Diagnose "Brustkrebs" offenbar besonders wichtig.

© Mathias Ernert

BETHESDA. Die Diagnose "Brustkrebs" ist für viele Betroffene ein Anlass, sich mit ihrem bisherigen Lebensstil auseinanderzusetzen. Empfehlungen etwa, sich gesünder zu ernähren, haben in dieser Phase möglicherweise besonders große Chancen, gehört und umgesetzt zu werden.

Dies war zumindest die Hoffnung von Stephanie M. George und Kollegen vom National Cancer Institute in Bethesda, Maryland, die den Einfluss der Ernährungsweise auf das Überleben bei postmenopausalen Brustkrebspatientinnen untersucht haben.

Diese Hoffnung hat sich bestätigt: Wie die Forscher berichten, war die generelle Überlebenswahrscheinlichkeit innerhalb von knapp zehn Jahren nach der Brustkrebsdiagnose größer, wenn die Teilnehmerinnen - alle zwischen 50 und 79 Jahre alt - sich gesünder ernährt hatten.

Die Daten der Frauen stammen aus der Women's Health Initiative (WHI), einer großen Kohortenstudie, die sich aus einer Beobachtungsstudie mit rund 160.000 Teilnehmerinnen sowie drei verschiedenen klinischen Studien zusammensetzt (Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2014; 23(4): 575-83).

Daraus hatten die Krebsspezialisten 2317 Frauen ausgewählt, bei denen nach Eintritt der Menopause ein invasives Mammakarzinom diagnostiziert worden war. Diesen hatte man nach der Diagnose in mehrjährigen Abständen einen Ernährungsfragebogen vorgelegt. Innerhalb von im Mittel 9,6 Jahren starben 415 Teilnehmerinnen; 188 davon an Brustkrebs.

Als Maßstab für die Beurteilung der Ernährungsqualität zogen die Forscher einen vom US-amerikanischen Agrarministerium in Zusammenarbeit mit dem National Cancer Institute entwickelten Ernährungs-Score heran: den Healthy Eating Index (HEI) 2005.

Dieser besteht aus zwölf Komponenten, darunter verschiedene Gemüse- und Obstsorten, Fleisch, Milch, Öl, Natrium, gesättigte Fettsäuren, Kalorien aus festem Fett, Alkohol und zugesetztem Zucker. Alle Komponenten werden nach einem definierten Punktesystem bewertet.

Gesunde Kost, weniger Todesfälle

Als Maximum sind 100 Punkte zu erreichen. Die Qualität der konsumierten Nahrung drückten die Forscher in Quartilen aus, wobei Q4 für die beste, Q1 für die schlechteste Qualität steht.

Ergebnis: Die Frauen, deren Ernährung sich am ehesten im Einklang mit den Empfehlungen vom Ministerium befand, profitierten gegenüber denen mit der schlechtesten Ernährungsqualität mit einem um 26 Prozent geringeren allgemeinen Sterberisiko.

Das Risiko, an einer nicht-brustkrebsbezogenen Ursache wie Myokardinfarkt, Diabetes oder Schlaganfall zu sterben, wurde durch optimale Ernährung gar um 42 Prozent gesenkt. Dagegen hatte die Ernährung keinen Einfluss auf die brustkrebsbedingten Todesfälle (HRQ4:Q1 = 0,91).

Ein Zusammenhang zwischen einzelnen Nahrungsbestandteilen und der Mortalität wurde nicht gefunden; was zählte, war offenbar die gute Ernährung als Ganzes.

Für George und Kollegen ist das Ergebnis ein Hinweis darauf, dass Brustkrebspatientinnen ihr Leben deutlich verlängern können, wenn sie die Diätempfehlungen der Behörden einhalten, und zwar unabhängig vom Krankheitsstadium zum Zeitpunkt der Diagnose. Die aktuelle Studie befindet sich im Einklang mit den Ergebnissen der HEAL-Studie (Health, Eating, Activity, and Lifestyle).

Darin hatte dasselbe Autorenteam gezeigt, dass ein höherer HEI-Score nach Diagnose eines frühen Brustkrebsstadiums die Gesamtmortalität der Frauen um bis zu 60 Prozent senkt. Und auch aus der Nurses' Health Study (NHS) und der "Life After Cancer Epidemiology (LACE)-Study" liegen den Autoren zufolge ähnliche Ergebnisse vor.

Anders als das Krankheitsstadium scheint der Östrogenrezeptorstatus im Zusammenhang mit der Ernährung eine Rolle zu spielen: Bei rezeptorpositiven Patientinnen, die sich gesund ernährten, war das Mortalitätsrisiko um fast 50 Prozent verringert; bei rezeptornegativen wurde jedoch keine Assoziation gefunden.

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