Ärzte Zeitung App, 09.09.2014

Brustkrebs im Alter

Überlebenschancen unabhängig von Operation

Brustkrebspatientinnen ab einem Alter von 75 Jahren werden offenbar nicht mehr so häufig operiert wie es noch vor 15 Jahren der Fall war. An den Überlebenschancen hat dieses Vorgehen nichts geändert, wie eine niederländische Daten zeigen.

Von Robert Bublak

Überlebenschancen hängen nicht an einer Op

Mammakarzinom: Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass ältere Patientinnen zu wenig Therapie erhalten.

© Dr. Matthias Eberhardt/Arteria Photography

LEIDEN. Bei älteren Patientinnen mit Mammakarzinom wird nicht mehr so häufig wie noch vor zwei Jahrzehnten eine Operation vorgenommen. Das geht aus niederländischen Daten hervor.

Obwohl die Überlebensraten durch den Verzicht auf einen Eingriff anscheinend nicht schlechter geworden sind, lässt sich nicht so ohne weiteres beurteilen, ob diese Entwicklung als positiv anzusehen ist.

"Patientinnen, die 70 Jahre oder älter sind, sollte die gleiche chirurgische Behandlung angeboten werden wie jüngeren", so steht es in den Leitlinien der International Society of Geriatric Oncology und der European Society of Breast Cancer Specialists.

Standard der Brustkrebs-Behandlung sei die brusterhaltende Therapie mit Bestrahlung der Brust beziehungsweise die Mastektomie mit oder ohne postoperative Strahlentherapie.

Daten von mehr als 26.000 Frauen ausgewertet

In der Praxis sieht die Sache offenbar anders aus, wie Zahlen aus den Niederlanden belegen. Dort hat sich eine Gruppe von Chirurgen und Onkologen um Nienke de Glas vom Department of Surgery am Leiden University Medical Centre, die Daten von mehr als 26.000 Frauen im Alter ab 75 Jahren angesehen, bei denen im Zeitraum von 1995 und 2011 Brustkrebs diagnostiziert worden war (British Journal of Surgery 2014, online 4. August).

Die Tumoren hatten sich in den Stadien I bis III befunden. Im Jahre 1995 waren noch 90,8 Prozent, 2011 nur noch 69,9 Prozent der Frauen operiert worden. Je älter die Frauen waren, desto öfter entfiel die Operation: In der Gruppe der 75- bis 79-Jährigen lag die Quote für die Operation auch im Jahr 2011 nur wenig unter 100 Prozent, bei den über 90-jährigen Frauen hingegen war sie von einstmals etwa 80 Prozent auf rund 30 Prozent gefallen.

Primär endokrin waren 1995 7,1 Prozent und 2011 27,3 Prozent der älteren Patientinnen behandelt worden. Auch hier war ein Alterseffekt festzustellen. So wurden 2011 70 Prozent der über 90-jährigen Frauen primär endokrin therapiert. Früher dagegen lagen die Zahlen bei rund 20 Prozent. Bei den 75- bis 79-Jährigen lag die Quote wie ehedem unter 10 Prozent.

Nach 5 Jahren leben rund 50 Prozent

Die veränderte Therapie wirkte sich nicht auf das Gesamtüberleben aus. Es gab keine Veränderung im Vergleich zwischen 2011 und denjenigen Zeiten, als die Patientinnen noch mehr operiert und weniger endokrin behandelt worden waren. Im Mittel lag die Fünf-Jahres-Überlebensrate zwischen 50 und 60 Prozent.

Höher war sie für die jüngeren, niedriger jedoch für die älteren Patientinnen. Auch die Lebenserwartung der krebskranken Frauen relativ zu einer gleichaltrigen Allgemeinpopulation blieb über den Zeitraum von 1995 bis 2011 stabil bei einer Quote von circa 80 Prozent stehen.

"Diese Studie hat gezeigt, dass Patientinnen mit resektablen Mammakarzinomen in den vergangenen 15 Jahren seltener operiert und öfter endokrin behandelt wurden, wobei ihr relatives und Gesamtüberleben unverändert blieben", fassen de Glas und ihre Kollegen die vorliegenden Fakten zusammen.

Bleibt also die Frage nach wie vor bestehen: Ist das eine gute Nachricht? Nicht zwingend, wie die niederländischen Mediziner einräumen. Immerhin haben sich die Überlebenschancen jüngerer Brustkrebspatientinnen in den vergangenen Jahren verbessert.

Das könnte im Verbund mit den Resultaten der Studie darauf hindeuten, dass ältere Patientinnen zu wenig Therapie erhalten, vermuten die niederländischen Wissenschaftler.

Wer will, kann der Studie durchaus entsprechende Hinweise entnehmen: Ältere Frauen wurden, sofern operiert, häufig keinem axillären Staging unterzogen, oft erhielten sie keine adjuvante endokrine Behandlung und keine Strahlentherapie.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »