Mammakarzinom

Prognose je nach Tumorzellen im Knochenmark

Eine Studie bestätigt den ungünstigen prognostischen Wert von disseminierten Tumorzellen im Knochenmark bei Brustkrebs.

Veröffentlicht:
Werden Krebszellen im Knochenmark entdeckt, ist das ein unabhängiger Risikofaktor für Rezidive und Tod.

Werden Krebszellen im Knochenmark entdeckt, ist das ein unabhängiger Risikofaktor für Rezidive und Tod.

© fotoliaxrender / fotolia.com

TÜBINGEN. Brustkrebspatientinnen mit disseminierten Tumorzellen im Knochenmark haben eine schlechtere Prognose, bestätigt eine große Studie der Uniklinik Tübingen.

Eine Bisphosphonatbehandlung könnte die Aussichten verbessern (Eur J Cancer 2014; online 2. August).

An der bisher größten monozentrischen Studie zur prognostischen Relevanz isolierter Tumorzellen im Knochenmark waren 3141 Brustkrebspatientinnen beteiligt. Sie waren wegen eines primären frühen Mammakarzinoms (T1-4, N0-2, M0) operiert worden.

Während des Eingriffs wurde Knochenmarksaspirat entnommen und immunzytochemisch mit einem Antikörper gegen Panzytokeratin untersucht. Bei 26 Prozent der Patientinnen wurden disseminierte Tumorzellen (DTC) entdeckt.

DTC-positive hatten signifikant häufiger als DTC-negative Patientinnen größere Tumoren, Lymphknotenbefall und aggressivere triplenegative Tumore.

Um die prognostische Bedeutung von DTC zu erfassen, wurden nur Patientinnen mit einer Mindestnachbeobachtungszeit von sechs Monaten berücksichtigt.Bei 2809 Frauen mit einem medianen Follow-up von 43 Monaten wurden 255 Rezidive diagnostiziert; 289 von 2931 Frauen starben während eines Follow-up von 53 Monaten.

Dabei hatten DTC-positive Patientinnen ein um 74 Prozent höheres Rezidiv- und ein um 44 Prozent höheres Sterberisiko. Diese schlechte Prognose ließ sich nicht allein mit den ungünstigeren Tumorcharakteristika erklären.

Der Nachweis von DTC im Knochenmark war vielmehr ein unabhängiger Risikofaktor für Rezidive und Tod.

Chemo erreicht DTC wahrscheinlich nicht

Da DTC sich nicht in einem proliferativen Zustand befinden, sind sie durch eine Chemotherapie wahrscheinlich nicht zu erreichen. Eine Therapiealternative könnten Bisphosphonate sein.

Aus anderen Untersuchungen gibt es Hinweise, dass sie die Eliminierung von DTC unterstützen. In einer Subgruppenanalyse der Tübinger Studie mit 876 Patientinnen hatten DTC-positive Frauen mit adjuvanter Bisphosphonattherapie ein signifikant längeres rezidivfreies und Gesamtüberleben.

Bei DTC-negativen Patientinnen zeigte sich dagegen kein prognostischer Nutzen.

Ein weiterer interessanter Befund der Studie: Frauen, die schon vor der Knochenmarksaspiration eine zytotoxische Therapie erhalten hatten, waren signifikant öfter DTC-positiv als Frauen mit einer späteren Therapie.

Das könnte darauf hindeuten, dass eine zytotoxische Behandlung in der Lage ist, Zellen aus dem Tumor zu mobilisieren.

Wie die Autoren betonen, bestätigen die Ergebnisse die klinische Validität von DTC im Knochenmark für die Prognose in frühen Brustkrebsstadien.

Ob der DTC-Status auch über den Nutzen einer Bisphosphonattherapie Auskunft geben kann, müsse in weiteren Studien überprüft werden. (BS)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Risikoadaptiert und individualisiert behandeln

Frühes Mammakarzinom: So optimieren Sie die Therapie

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe

Gemeinsamer Bundesausschuss

Zusatznutzen für mehrere Orphan Drugs

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
MRT-Bildgebung und Monitoring

© wedmoments.stock / stock.adobe.com

Plexiforme Neurofibrome bei Neurofibromatose Typ 1

MRT-Bildgebung und Monitoring

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neue S1-Leitlinie

Verätzung am Auge: Erst spülen, und dann?

Lesetipps
Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist