Ärzte Zeitung, 22.10.2014

Brustkrebs

Marker geben Aufschluss über Heilungschancen

Sind im Gewebe von Mammakarzinomen des Luminaltyps die Marker MET und CD47 nachweisbar, spricht das für eine schlechte Prognose. Betroffene Patientinnen leben im Schnitt rund zehn Jahre kürzer als Frauen, bei denen beide Tests negativ sind.

Von Robert Bublak

Marker geben Aufschluss über Heilungschancen

Wenn bei Brustkrebspatientinnen gleichzeitig die Marker MET und CD47 nachweisbar sind, haben sie eine schlechte Prognose, wie Heidelberger Forscher herausgefunden haben.

© Friso Gentsch / dpa

HEIDELBERG. Welche Rolle spielen die Rezeptortyrosinkinase MET und das Transmembranprotein CD47, ein Ligand von SIRPalpha (Signal Regulatory Protein), für die Metastasierung und Prognose von Mammakarzinomen des Luminaltyps?

Diese Frage hat sich eine Arbeitsgruppe um die Stammzellforscherin Irène Baccelli vom Deutschen Krebsforschungszentrum und den Pathologen Albrecht Stenzinger von der Universitätsklinik in Heidelberg gestellt (Oncotarget 2014, online 2. September).

 Im vergangenen Jahr hatten sie ihre diesbezüglichen Untersuchungen zu im Blut zirkulierenden Krebszellen veröffentlicht. Sie konnten damals zeigen, dass MET und CD47 auf jenen Zellen - meist CD44-exprimierenden Brustkrebs-Stammzellen - koexprimiert sind, welche die Metastasierung anbahnen.

Nun wollten die Heidelberger Wissenschaftler herausfinden, ob die genannten Marker bereits in den Primärtumoren vorhanden sind - und wie sich dies auf das Überleben der Patientinnen auswirkt.

255 Brustkrebsproben analysiert

Hierfür analysierten sie 255 Brustkrebsproben. In 2,5 Prozent der Tumoren fielen die immunhistochemischen Tests auf beide Marker positiv aus. Patientinnen mit solchen Karzinomen hatten im Durchschnitt eine um 10,3 Jahre verkürzte Lebenserwartung im Vergleich zu Frauen, deren Tumoren MET- und CD47-negativ waren.

 "Damit bezeichnet die gleichzeitige Expression von MET und CD47 eine Gruppe von Brustkrebspatientinnen mit einer extrem schlechten Prognose", konstatieren die Forscher.

MET wird durch den Hepatozyten-Wachstumsfaktor HGF aktiviert. Das setzt eine Signalkaskade in Gang, die zu vermehrtem Tumorwachstum und verstärkter Invasivität führt.

CD47, an seinen Rezeptor gebunden, hemmt die Makrophagen-vermittelten Aufräumarbeiten und fungiert als "Friss mich nicht"-Signal. Tumorzellen mit hoher CD47-Expression entgehen der Immunabwehr. Zusammen erhöhen diese Merkmale die Fähigkeit von gestreuten Krebszellen, Metastasen zu setzen.

Metastase-Risiko besser einschätzen

Baccelli, Stenzinger und ihr Team sehen in ihren Ergebnissen einerseits eine Chance, das Metastasierungsrisiko bei Brustkrebspatientinnen mit Luminaltyp-Tumoren im Stadium M0 besser einzuschätzen.

Dazu müssten Paraffinpräparate des Primärtumors auf MET und CD47 untersucht werden. Andererseits sehen sie die therapeutische Möglichkeit, bei positiven Tumoren auf MET zielende Inhibitoren einzusetzen.

Bei hepatozellulären Karzinomen und nicht-kleinzelligem Lungenkrebs seien damit Erfolge erzielt worden. Auch Strategien gegen CD47/SIRPalpha hätten sich präklinisch wirksam gezeigt.

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