Ärzte Zeitung online, 03.02.2015

Mamma-Screening

Etwa jede zweite Frau nimmt teil

Die Teilnahmequote beim Mammografie-Screening ist zwar leicht von 53,7 auf 55,9 Prozent gestiegen. Sie liegt aber immer noch weit unter dem in der europäischen Leitlinie empfohlenen Zielwert von 70 bis 75 Prozent. Das zeigt der neue Evaluationsbericht.

Von Ilse Schlingensiepen

Etwa jede zweite Frau nimmt teil

Mammografie-Screening: 2,7 Millionen Frauen wurden 2011 in einer der 94 Screeningeinheiten untersucht.

© Rose

KÖLN. Das deutsche Mammografie-Screening braucht den internationalen Vergleich nicht zu scheuen.

Die bisher vorliegenden Daten zeigten, dass das Screening mit höchster Qualität erfolge und effizient sei, sagt Dr. Vanessa Kääb-Sanyal, Referentin Evaluation und Qualitätsmanagement bei der Kooperationsgemeinschaft Mammografie.

"Es werden so wenige Frauen wie möglich belastet, viele Erkrankungen werden in einem frühen Stadium gefunden." Das bestätigten die Daten der epidemiologischen Krebsregister.

Für die betroffenen Frauen bedeute die Entwicklung: "Sie haben bessere Überlebenschancen und benötigen weniger aggressive Therapien", sagt sie.

Die Kooperationsgemeinschaft veröffentlicht heuteam Mittwoch den Qualitätsbericht und den Evaluationsbericht für das Jahr 2011. Kääb-Sanyal ist Kommissarische Leiterin der Geschäftsstelle der Kooperationsgemeinschaft.

Die bisherige Leiterin Dr. Tatjana Heinen-Kammerer hat den Posten Ende 2014 verlassen. Die Stelle wird neu ausgeschrieben.

Jetzt erst Berichte von 2011

Es dauert einige Zeit, bis der Kooperationsstelle alle relevanten Daten rund um die Mammografien zur Auswertung vorliegen. Das betrifft insbesondere die Tumorstadien-Verteilung.

Änderungen in der Software haben zudem für Verzögerungen gesorgt, so dass jetzt erst die Berichte für 2011 veröffentlicht werden konnten, erläutert Kääb-Sanyal. Die Berichte für 2012 sollen bereits im Sommer 2015 fertig sein.

Im Jahr 2011 haben mehr als 2,7 Millionen Frauen in einer der 94 Screening-Einheiten am Mammografie-Screening teilgenommen, davon kamen mehr als 800 000 das erste Mal zur Untersuchung.

93 Prozent der anspruchsberechtigten Frauen zwischen 50 und 69 Jahren hatten eine Einladung zum MammografieScreening erhalten. Die Teilnahmequote betrug 55,9 Prozent.

Das war zwar mehr als die 53,7 Prozent des Vorjahres, aber deutlich weniger als der in der europäischen Leitlinie empfohlene Zielwert von 70 bis 75 Prozent.

Vor der Einführung des Mammografie-Screenings sind nach Angaben Kääb-Sanyals jährlich vier Millionen Mammografien gemacht worden.

Diese Zahl umfasst auch Untersuchungen bei jüngeren und älteren Frauen und kurative Mammografien und ist deshalb nicht direkt mit den 2,7 Millionen vergleichbar.

Dennoch sei klar, dass auch früher viele Untersuchungen zur Früherkennung erfolgten. "Dabei fehlten aber die Standardisierung und die Qualitätssicherung, die wir im Screening haben", sagt Referentin Kääb-Sanyal.

Im sogenannten grauen Screening seien viele Karzinome erst später entdeckt worden als heute.

Nachteil Überdiagnose

Überdiagnosen, also Karzinome, die ohne Untersuchung nie auffällig geworden wären, werden von Kritikern häufig als Argument gegen das Mammografie-Screening aufgeführt. Solche Überdiagnosen habe es auch im grauen Screening gegeben, betont sie.

Die Neuentdeckungsrate ist nach der Einführung des Mamma-Screenings zunächst deutlich gestiegen, ab 2009 aber wieder gesunken. 2011 hätten die Werte nur noch 15 Prozent über denen von 2004 gelegen, und zwar inklusive der In-situ-Karzinome, berichtet Kääb-Sanyal.

Sonst wären es acht Prozent gewesen. "Langfristig werden wir uns bei den Überdiagnosen im Bereich von einem bis zehn Prozent bewegen", erwartet sie. Das entspreche den internationalen Erfahrungen.

"Die Daten der Krebsregister zeigen diesen Effekt ganz klar für 2011."

Das Screening habe Vor- und Nachteile und die Überdiagnosen gehörten zu den Nachteilen. "Die Diskussion muss aber versachlicht werden", fordert sie.

Krebs bei 17 000 Frauen entdeckt

130 800 Frauen mussten 2011 zur Abklärung einer Auffälligkeit oder für eine erneute Aufnahme einbestellt werden. Das waren 4,8 Prozent der Teilnehmerinnen. Bei den Erstuntersuchungen betrug die Quote 8,6 Prozent, bei den Folgeuntersuchungen 3,2 Prozent. In 13 Prozent aller Fälle bestätigte sich der Verdacht auf eine bösartige Erkrankung.

2011 wurde über das Screening bei fast 17 000 Frauen Brustkrebs entdeckt. Bei 19 Prozent handelte es sich um In-situ-Karzinome, vor Einführung des Screenings waren es nur sieben Prozent. 81 Prozent der Karzinome waren invasiv.

Von ihnen waren 36 Prozent kleiner als zehn Millimeter, verglichen mit 14 Prozent vor dem Screening. Die Zahl der invasiven Karzinome ohne Lymphknotenbefall stieg im selben Zeitraum von 57 Prozent auf 79 Prozent.

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