Ärzte Zeitung, 28.08.2015

Brustkrebs aufspüren

Kontrastmittel verstärkt Mammographie

Eine neue Methode für Patientinnen mit Brustkrebs-Verdacht weckt Hoffnung: Die kontrastmittelverstärkte spektrale Mammographie (CESM) könnte die diagnostische Sicherheit erhöhen.

Kontrastmittel verstärkt Mammographie

Cranio-caudale Ebene: Von links nach rechts konventionelle Mammographie, KM-gestützte Mammographie und Rekombination (CESM). Kleiner Satellitenherd dorsal des Hauptbefundes (Pfeil).

© Charité Berlin

HAMBURG. Bei der Lokalisation Karzinom-verdächtiger Herde, vor allem wenn es um mehrere Herde geht, sind Ultraschall und MRT der konventionellen Mammographie überlegen.

Die Erweiterung der Mammographie um die neue Methode CESM könnte die Röntgendiagnostik zukünftig noch sicherer machen. Davon geht das Team um Privatdozentin Eva Maria Fallenberg von der Charité Universitätsmedizin Berlin aus.

Der Clou: Jodhaltiges Kontrastmittel i.v. verstärkt den Kontrast durch KM-Anreicherung in den Herden. Das ist zwar nicht auf den konventionellen Aufnahmen sichtbar, aber mittels CESM.

Pro Mamma werden für die CESM zwei weitere KM-Aufnahmen erforderlich; aus den Datensätzen wird dann ein zusätzliches Bild errechnet (rekombiniert).

"So kann einerseits die Anatomie optimal dargestellt werden. Andererseits sehen wir Tumorherde inklusive Satellitenherde und ihre Ausdehnung deutlich besser", so Fallenberg in einer Pressemitteilung der Deutschen Röntgengesellschaft zum 96. Deutschen Röntgenkongress in Hamburg.

Strahlenbelastung hängt von Dichte ab

In der bei der Tagung vorgestellten Studie mit 118 Frauen mit neu diagnostiziertem Brustkrebs erhielten die Frauen pro Mammographie-Ebene zwei Aufnahmen mit zwei unterschiedlichen Belichtungen.

Wie hoch dabei die zusätzliche Strahlenbelastung ist, hängt von der Dichte des Brustgewebes ab: Bei sehr dichtem Gewebe ist sie geringer als bei fetthaltigen Brustdrüsen.

Fallenberg: "Im Mittel benötigen wir etwa 20 Prozent mehr Strahlung als bei den üblichen Mammographien im Kontrastmodus."

Verglichen wurden die so erhaltenen Befunde mit denen des Ultraschalls und mit dem Goldstandard Biopsie. In die Auswertung kamen 208 Gewebeproben. "Wir konnten zeigen, dass wir mit der CESM fast acht von zehn aller vorhandenen bösartigen Läsionen erkennen konnten", so Fallenberg in der Mitteilung.

Die Sensitivität lag mit 78 Prozent über der des Ultraschalls (67 Prozent). Allerdings gab es einen markanten Unterschied bei der Spezifität: Sie betrug für die CESM nur 50 Prozent, während sie bei der Sonografie bei 81 Prozent lag.

Doch das ist für Fallenberg nur ein temporärer Nachteil. Denn wie bei anderen bildgebenden Verfahren auch steige die Spezifität mit der Erfahrung der Untersucher.

Noch kein Routineverfahren

Inzwischen sei in aktuellen Studien die Spezifität deutlich höher als in den ersten Publikationen.

Aber warum überhaupt eine neue Methode zur Diagnostik bei Brustkrebs-Verdacht? Dafür nennt Fallenberg mehrere Gründe:

- Das Potenzial der CESM liegt in der präoperativen Diagnostik.

- Die Verfügbarkeit der Mammographie ist deutlich höher als die der MRT, selbst in Deutschland.

- In vielen anderen Ländern wird Brust-MRT kaum angeboten.

- In Deutschland müssen Patientinnen die Kosten einer Brust-MRT oft selbst tragen.

- Ein Routineverfahren ist die CESM allerdings noch nicht, wie Fallenberg betont. "Im Moment sollte sie nur in klinischen Studien angewandt werden, um die Vorteile noch genauer zu belegen." (eb)

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