Direkt zum Inhaltsbereich

Künstliches Brustgewebe

Hoffnung auf den Durchbruch bei Brustkrebs

Münchner Forschern ist es erstmals gelungen, Brustdrüsengewebe in der Petrischale zu züchten. Das soll dabei helfen, die Entstehung von Krebs besser zu verstehen - und neuen Medikamenten den Weg ebnen.

Veröffentlicht:
Anhand eines Brustmodells hoffen Forscher, künftig vielleicht Substanzen gegen Brustkrebs in der Petrischale testen zu können.

Anhand eines Brustmodells hoffen Forscher, künftig vielleicht Substanzen gegen Brustkrebs in der Petrischale testen zu können.

© Springer Verlag

MÜNCHEN. Forscher des Helmholtz-Zentrums und der Ludwig Maximilians-Universität in München haben erstmals Brustdrüsengewebe in der Petrischale gezüchtet.

Daran sei die Entstehung von normalem Drüsengewebe nachvollziehbar, berichten sie in der Fachzeitzeitschrift "Development" (2015; online 12. Juni). Das Modell soll helfen, Brustkrebs und seine Entstehung im Detail verfolgen und verstehen zu können, teilt das Helmholtz-Zentrum mit.

Erste Beobachtungen an dem gezüchteten dreidimensionalen Gewebe lassen vermuten, dass die Weichen für einen späteren Brustkrebs möglicherweise schon in der Pubertät gestellt werden, so das Helmholtz-Zentrum.

Die Hoffnung ist, künftig vielleicht Substanzen gegen Brustkrebs in der Petrischale testen zu können.

Nachahmung von Drüsenstruktur

Die Forschungsgruppe von Dr. Christina Scheel brachte Brustzellen unterschiedlicher Frauen aus Brustverkleinerungen in der Petrischale in ein transparentes Gel, berichtet das Helmholtz-Zentrum in einer Mitteilung. Darin entwickelten sich die Zellen wie in der Pubertät in einer weiblichen Brust.

"Die Stammzellen sind in der Lage, komplexe Drüsenstrukturen mit verschiedenartigen Zellen nachzubilden", wird Scheel in der Mitteilung zitiert. Wie in der echten Brust formten sich in dem Gel Milchgänge und an deren Ende traubenartige Strukturen.

Dabei zeigte sich unter anderem, dass die Elastizität der Brust das Wachstum der Zellen beeinflusst. In härterem Gel war das Zellwachstum stärker als in elastischem Gel.

Andere Stammzellforscher setzen in die Studie große Hoffnung. Es sei ein bisher einzigartiges System, Brustdrüsengewebe dreidimensional in der Petrischale nachzubilden, sagte Professor Andreas Trumpp, Abteilungsleiter Stammzellen und Krebs am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

Er warnte aber vor verfrühter Euphorie. Noch sei das Experiment nicht mit Krebszellen vollzogen worden. Falls das gelänge, könnte das eine große Chance für die Entwicklung neuer Medikamente sein. "Dann könnte das Kultursystem zur Fahndung nach neuen Substanzen genutzt werden, die das Wachstum und die Wanderung der Krebszellen blockieren."

Zellwachstum bei Krebs im Visier

Rund 70.000 Frauen jährlich bekommen in Deutschland die Diagnose Brustkrebs.Gerade bei jungen Frauen kann der Krebs sehr aggressiv sein. "Das aggressive Verhalten von Brustkrebs ist hinsichtlich vieler Aspekte noch nicht verstanden", sagte Scheel.

"Es ist sehr gut möglich, dass schon während der Pubertät Vorläuferformen von Krebs bei jungen Frauen angelegt werden."

Bei Krebs laufe das Wachstum der Zellen ähnlich wie in der Pubertät - nur unkontrolliert. "Die Hauptentwicklungsphase der Brust ist während der Pubertät", so Scheel.

"Die Brustdrüse wächst bei ihrer Entwicklung wie ein invasiver Krebs, aber kontrolliert in das Fettgewebe ein. Das ist der Prozess, den wir jetzt nachstellen können."

Zunächst zeige das Experiment die Funktionsweise der normalen Brust. Das sei jedoch die Voraussetzung, um die Abläufe bei Krankheit besser zu verstehen. "Wenn man ein Auto reparieren will, muss man auch erst mal verstehen, wie ein Auto funktioniert."

Im nächsten Schritt wollen die Forscher Krebszellen in das Gel einbringen - und sehen, ob und wie sich Krebs entwickelt. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

S3-Leitlinie Mammakarzinom

Brustkrebs: So viel Sport ist empfehlenswert

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Konkurrenz für Primärpraxen?

Reformpaket beschlossen: Apotheker rücken zu Hausärzten in zweiter Reihe auf

State-of-the-Art

Was in den Praxisempfehlungen und Leitlinien der DDG neu ist

Lesetipps
Patient vor der CT-Untersuchung der Lunge.

© jovannig / stock.adobe.com

Telemedizin für Prävention

Lungenkrebs-Screening: Das Münsterland zeigt, wie es funktionieren kann

Frau sitzt nachts auf ihrem Bett und schaut ins Licht ihrer Nachttischlampe.

© stokkete / stock.adobe.com

Von unten nach oben

Stufenschema bei Insomnie: So bei Schlafstörungen therapieren