Sonntag, 12. Februar 2012
Ärzte Zeitung, 02.05.2008

Sorafenib wird jetzt bei Leukämie geprüft

In einer Phase-II-Studie erhalten Patienten Multikinase-Hemmer zur Chemotherapie

BERLIN (stü). Der Multikinase-Hemmer Sorafenib ist bereits zur Behandlung beim Nieren- und Leberzellkarzinom zugelassen. Derzeit wird seine Antitumorwirkung bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) geprüft, die älter als 60 Jahre sind.

AML-Patienten über 60 Jahre haben eine sehr schlechte Prognose. Die derzeitige Datenlage lässt vermuten, dass diese Situation durch eine Intensivierung der Chemotherapie nicht zu verbessern ist.

Allerdings gibt es Hinweise, dass eine zusätzliche zielgerichtete Therapie (targeted therapy) etwa mit Sorafenib (Nexavar®) die Wirksamkeit erhöhen könnte. Der Wirkstoff beeinflusst außer verschiedenen Kinasen auch den Rezeptor Flt3. Mutationen in dem Gen für den Rezeptor lassen sich bei jedem dritten Patienten in den Blasten nachweisen und gehen oft mit einem aggressiven Krankheitsverlauf mit gehäuften Rezidiven einher.

Ermutigende Ergebnisse lieferte eine Phase-I-Studie mit 20 AML-Patienten: Bei elf Patienten bewirkte die Sorafenib-Therapie eine mindestens 50-prozentige Blastenreduktion im Knochenmark und im peripheren Blut. Das berichtete Professor Hubert Serve aus Frankfurt am Main beim Deutschen Krebskongress in Berlin. Neun der elf Patienten hatten Flt3-Mutationen. Ein Patient sprach mit einer kompletten Remission im Knochenmark an, also kein Nachweis leukämischer Zellen für mindestens vier Wochen. "Dabei wurde Sorafenib gut vertragen," so Serve auf einer Veranstaltung von Bayer HealthCare.

Derzeit läuft eine Phase-II-Studie, in der Sorafenib oder Placebo zusätzlich zu einer Chemotherapie mit Cytarabin und Daunorubicin verabreicht wird. Bislang wurden 156 der geplanten 200 AML-Patienten in die Untersuchung aufgenommen. Voraussichtlich werden Patienten noch bis Sommer 2008 aufgenommen. Endpunkte der Studie sind das ereignisfreie Überleben sowie das Gesamtüberleben, die Rate kompletter Remissionen sowie die Verträglichkeit von Sorafenib in Kombination mit einer AML-typischen Induktionstherapie.

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