Ärzte Zeitung, 04.02.2012
Mit iPad gegen Tumoren
"Together it is possible - Gemeinsam können wir es schaffen", so das Motto des Welt-Krebstages 2012. Gemeinsam mit klinischen Partnern wollen Krebsforscher die rasche Umsetzung ihrer Forschungsergebnisse in die klinische Praxis erreichen.
Von Ingeborg Bördlein

Die Niere im Visier: Der Urologe Professor Jens Rassweiler bei einer iPad-assistierten Nierenpunktion.
© Rassweiler / DKFZ Heidelberg
HEIDELBERG. Mit dem iPad in das Körperinnere eines Patienten schauen? Das
ist keine Zukunftsmusik mehr.
Bioinformatiker am DKFZ in Heidelberg haben eine Software entwickelt, die es
Urologen ermöglichen soll, Tumoren in der Niere oder in der Prostata
„iPad-assistiert“ endoskopisch zu entfernen. Professor Jens Rassweiler, Direktor
der „Urologie Heilbronn“, einem Zentrum für minimalinvasive Eingriffe in der
Urologie, ist begeistert von dieser virtuellen Schützenhilfe, die er in
Einzelfällen schon genutzt hat.
Darstellung während der OP in Echtzeit
Die dreidimensionale Navigation während eines endoskopischen Eingriffs ist auf
der Basis von bildgebenden Verfahren wie Ultraschall, CT oder MRT mit der
entsprechenden Software schon jetzt möglich. Auf diese Weise können das
Zielorgan, der Tumor und sensible Strukturen um den Tumor in Echtzeit während
der Operation dargestellt werden.
Ziel ist es nach Angaben von Rassweiler etwa
bei einem Prostatakarzinom, das endoskopisch entfernt wird, weniger positive
Ränder und eine Schonung der Potenznerven zu erreichen. Die Bioinformatiker am
DKFZ um Professor Hans-Peter Meinzer haben dieses Prinzip nun für das iPad
umgesetzt, das der Kliniker am Beispiel eines Nierentumors während einer
Veranstaltung am DKFZ erläutert hat.
„Wir haben hier nicht ein einzelnes
Zielorgan, sondern den ganzen Patienten“, so Rassweiler. Der Patient wird einen
Tag vor dem Eingriff in Bauchlage auf einer speziellen Liege sehr exakt fixiert.
Es wird eine CT-Aufnahme angefertigt, um das Zielorgan – die Niere
beziehungsweise einen Tumor in der Niere – und die umgebenden Strukturen genau
lokalisieren zu können.
Auf dem Rücken des Patienten werden von außen farbige
Marker angebracht, die ähnlich wie EKG-Elektroden sind, um das Zielfeld im
Inneren des Körpers einzugrenzen. In dem Rechenprogramm wird das Bild
anschließend segmentiert und die wichtigen Strukturen wie Wirbel, Hohlsystem,
das Nierengewebe, der Stein oder Tumor dargestellt.
iPad wird anhand von virtuellen und echten Markern justiert
Am Tag des Eingriffs wird
der Patient exakt so gelagert wie am Vortag und die Marker wieder exakt an
derselben Stelle auf dem Körper aufgebracht. Das iPad wird anhand der Marker
justiert. Der Rechner steht außerhalb des OP-Saals. Das iPad und der Server
kommunizieren via WiFi.
Der Bildschirm des iPad wird so über den Patienten
gehalten, dass sich die virtuellen und die echten Marker auf dem Rücken
überlagern. Der Operateur sieht dann ins Innere des Patienten mit der exakten
virtuellen Darstellung der Anatomie.
Dass das Bild auch bei Lageveränderung des
Schirms stabil bleibe, sei ein Verdienst der Bioinformatiker, denn es werde auch
bei Lageveränderung rechnerisch angepasst, freut sich Rassweiler.
Der Arzt habe
eine zuverlässige Visualisierung der Niere quasi in 3D-Qualität einschließlich
der Risikostrukturen vor sich und sehe überdies seine eigene Hand auf dem
Schirm, sodass er genau verfolgen könne, wo er den Stich für die Punktion des
Tumors setze.
Eine Ultraschallkontrolle erübrige sich dann. Ideal sei die
Methode auch zur Planung des Eingriffs, um den idealen Punktionsweg festzulegen
und durch das iPad zu schauen, ob man auf dem richtigen Weg sei.

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