Ärzte Zeitung, 20.04.2005

Plädoyer für Testosteron trotz Prostatakarzinom

Behandlung bei Hypogonadismus / US-Urologe sieht Prostata-Ca nicht als absolute Kontraindikation für Androgene

ISTANBUL (ner). Männer mit Hypogonadismus können nach einer kurativen Prostatakarzinom-Therapie mit Androgenen behandelt werden, sagt der US-Urologe Professor Joel M. Kaufman. Bislang gilt ein Prostatakarzinom als absolute Kontraindikation für eine Testosteron-Therapie.

"Mehrere Studien haben ergeben, daß es keinen eindeutigen Zusammenhang gibt zwischen dem Serum-Testosteron-Spiegel und der Wahrscheinlichkeit, an einem Prostatakarzinom zu erkranken", sagte Kaufman beim Europäischen Urologenkongreß in Istanbul in der Türkei.

Der Urologe aus Aurora im US-Bundesstaat Colorado verwies auf eine retrospektive Analyse von 25 Studien mit insgesamt knapp 3000 Prostatakarzinom-Patienten, in denen hohe Testosteron-Spiegel nicht mit einer schlechten Prognose einher gingen. In einer weiteren prospektiven Studie mit 759 Männern, von denen 111 im Untersuchungszeitraum ein Prostatakarzinom entwickelten, hatten eugonadale Männer sogar ein niedrigeres Karzinomrisiko als hypogonadale Männer.

Das spreche für eine Androgen-Therapie hypogonadaler Männer, sobald die Karzinom-Behandlung erfolgreich abgeschlossen ist, sagte Kaufman bei einem vom Unternehmen Jenapharm unterstützten Symposium. Zumal nach der in den USA üblichen Kombination von Androgen-Blockade plus Radiotherapie die Testosteron-Spiegel oft monatelang niedrig blieben. Dies gehe mit einer verminderten Lebensqualität einher.

Der Urologe präsentierte zwei kleine Studien mit insgesamt 17 hypogonadalen Patienten nach Prostatakarzinom und bis zu zweijähriger Nachbeobachtung, in denen die Testosteron-Substitution erfolgreich praktiziert worden ist (J Urol 173, 2005, 533).

Selbst bei Patienten mit prostatischer intraepithelialer Neoplasie (PIN), die ein erhöhtes Prostatakarzinom-Risiko haben, sei die Testosteron-Therapie effektiv und sicher möglich, sagte Kaufman (J Urol 170 (6), 2003, 2348). Er betonte zugleich, daß eugonadale Männer nie mit Androgenen behandelt werden sollten, und zwar unabhängig von der jeweiligen Prostata-Situation.

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