Direkt zum Inhaltsbereich

Abwarten und kontrollieren bei Prostata-Ca!

Prostatakrebs wächst oft langsam, so dass die Patienten lange beschwerdefrei leben. "Aktives Beobachten" sichert vielen über Jahre eine gute Lebensqualität.

Von Angela Speth Veröffentlicht:
Regelmäßig zur Kontrolluntersuchung kann hohe Lebensqualität bringen.

Regelmäßig zur Kontrolluntersuchung kann hohe Lebensqualität bringen.

© döhm/imago

BOSTON. Das Abwarten nach festen Regeln bringt jenen Patienten, die an Prostatakrebs mit niedrigem Risiko erkrankt sind, mehr Zeit in hoher Lebensqualität als jede sofortige Therapie. Die Gefahr, an dem Karzinom zu sterben, ist kaum erhöht.

Einer Modellrechnung zufolge sind bei Active Surveillance sechs Monate mit hoher Lebensqualität mehr zu erwarten als bei der günstigsten kurativen Therapie (JAMA 2010; 304: 2373).

Das gilt für einen 65-Jährigen mit neu diagnostiziertem symptomlosem Prostata-Ca, wenn der PSA-Wert unter 10 ng/ml, das Tumorstadium unter T2a und der Gleasonscore unter 6 liegt. Als Maß wählten die US-Forscher aus Boston QALYs (quality adjusted life years); ein QALY entspricht einem Jahr in guter Gesundheit.

Active Surveillance bedeutet: regelmäßige körperliche Untersuchungen und PSA-Tests, erneute Biopsie ein Jahr nach Diagnose, danach alle drei Jahre. Eine Therapie setzt ein, sobald die Patienten es wünschen oder die Krankheit fortschreitet. 11,1 QALYs können sie so erwarten.

Startet die Behandlung sofort, sind es weniger: 10,6 bei Bestrahlung, 10,5 bei Brachytherapie und 10,2 bei nervschonender Prostatektomie. Solche Therapien werden bei 61 Prozent der Männer mit Active Surveillance im Median erst nach 8,5 Jahren begonnen.

Die Gefahr, am Prostata-Ca zu sterben, ist bei den verschiedenen Strategien ähnlich hoch: 9 Prozent beträgt es bei sofortigem Eingreifen, 11 Prozent bei Abwarten.

Active Surveillance sei deswegen so vorteilhaft, weil unerwünschte Therapie-Folgen wie Inkontinenz und Potenzschwäche vermieden werden, schreiben die Autoren um Professor Julia Hayes. Diese Störungen sind bei kurativer Therapie erheblich.

Die aktive Überwachung mit selektiver, verzögerter Intervention komme bei rund einem Drittel der Männer mit neu diagnostiziertem Prostata-Ca in Frage. Potentielle Nachteile sind die schlechtere Prognose, falls es doch zur Progression kommt, sowie die psychische Belastung.

In Deutschland erkranken jährlich rund 58.000 Männer an Prostata-Ca. Aber nur bei einem Teil der Patienten, die noch keine Symptome haben, schreiten die Tumoren fort. Insofern birgt sofortiges Eingreifen die Gefahr der Übertherapie.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Cannabis

Cannabinoide bei Schmerzen: Wann einsetzen, wie dosieren?

Start des Gebäudemodernisierungsgesetzes

Heizungstausch geplant? Diese neuen Regelungen kommen auf Eigentümer zu

Lesetipps
Steve Roczen und MFA-Auszubildender

© Zentrum Familienmedizin GbR

Porträt

Steve Roczen: Darum ist der MFA-Beruf für Männer interessant

Ein gedeckter Tisch mit Gemüse

© san_ta / Stock.adobe.com

Metaanalyse

Ist eine vegetarische oder vegane Ernährung gut für Kinder?