Ärzte Zeitung, 30.07.2014

Prostata-Ca

Auffälliger Geneffekt in jungen Jahren

Bei jungen Männern mit Prostata-Ca unterscheiden sich die Tumoren von denen, die bei älteren Männern diagnostiziert werden. Unter anderem haben die Jüngeren mehr genetische Varianten, die mit dem Karzinom assoziiert sind.

Von Peter Leiner

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Prostata-Ca im Ultraschall. Junge Männer haben signifikant mehr genetische Varianten als ältere.

© www.sonographiebilder.de

ANN ARBOR. Männer, bei denen im Alter zwischen 20 und 54 Jahren ein Prostatakarzinom diagnostiziert wird, haben mit 98 Prozent eine niedrigere Fünfjahresüberlebensrate als Männer, bei denen die Diagnose erst zwischen 55 und 75 Jahren gestellt wird. Von Letzteren leben nach fünf Jahren noch alle.

Das geht zum Beispiel aus Auswertungen des SEER-Registers (Surveillance, Epidemiology, and End Results) in den USA zwischen 1994 und 2009 hervor.

In anderen Studien ist herausgefunden worden, dass Männer im Alter zwischen 35 und 44 Jahren im Stadium IV der Krebserkrankung ein um das 1,5-Fache höheres Risiko haben, an den Folgen des Tumors zu sterben als Patienten im Alter zwischen 65 und 74 Jahren.

Seit vielen Jahren erforscht die Arbeitsgruppe um die beiden Professorinnen Dr. Kathleen A. Cooney und Dr. Claudia A. Salinas von der Universität Michigan in Ann Arbor die Unterschiede zwischen Prostatakrebs, der in jungen Jahren diagnostiziert wird, und dem bei Älteren.

Fokus auf genetischen Grundlagen

Die steigende Bedeutung von Prostatakrebs in jungen Jahren spiegelt sich auch darin wider, dass dem US-SEER-Register zufolge die Erkrankungsrate bei Männern unter 55 Jahren zwischen 1986 und 2008 um das 5,7-Fache von 5,6 auf 32 pro 100.000 Personenjahre zugenommen hat.

Es wird geschätzt, dass der Anteil der in jungen Jahren diagnostizierten Prostataerkrankungen bei etwa 10 Prozent liegt.

Cooney und Salinas konzentrieren sich mit ihren Kollegen in ihrer Forschung auf die genetischen Grundlagen von Prostatakrebs. Danach deuten die Ergebnisse mehrerer Studien darauf hin, dass der genetische Einfluss auf die Entstehung von Prostatakarzinomen in jungen Jahren deutlich größer ist als bei älteren Männern.

Wie die Ärztinnen berichten, haben sie im Michigan Prostate Cancer Genetics Project bei jungen Männern zum Beispiel signifikant mehr genetische Varianten entdeckt als bei älteren Patienten.

Zur Diskussion stehen derzeit etwa 70 Genvarianten, die im Zusammenhang mit der Entwicklung von Prostatakrebs stehen. Das wurde von anderen Wissenschaftlern inzwischen bestätigt.

Ziel der Forscher sind Gentests

Als Beispiel nennen die USForscher die Variante G84E im Gen HOXB13 (homeobox transcription factor), das den Bauplan für einen Transkriptionsfaktor enthält, der die frühzeitige Entwicklung von Prostatakrebs fördert und am androgenunabhängigen Wachstum des Tumors beteiligt ist. Homeobox-Gene steuern Vorgänge während der Embryonalentwicklung und finden sich auf jedem Chromosom, meist in Gruppen angeordnet.

Die spezielle Genvariante im Homeobox-Gen ist zwar auch bei Männern nachweisbar, die erst in höherem Alter am Prostatakrebs erkranken. Doch kommt sie bei Krebs in jungen Jahren viel häufiger vor, vor allem bei Patienten mit Familienangehörigen, die ebenfalls an Prostatakrebs erkrankt waren oder sind.

In einer neuen Studie vergleicht derzeit Cooney gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Scott Tomlins, einem Pathologen, die DNA in gesundem Prostatagewebe mit der aus Tumorgewebe von Prostatakrebspatienten, die nicht älter als 61 Jahre sind (Nature Reviews Urology 2014; 11: 317-323).

Nach Angaben der Universität soll in der Studie geprüft werden, wie hoch das Risiko für die genetischen Varianten bei Männern genau ist, die jung an Prostatakrebs erkranken.

Letztlich hoffen die Wissenschaftler, mehr genetische Informationen zu erhalten, die sich für mögliche Gentests nutzen lassen. Einen Gentest für Prostatakrebs gibt es bisher nicht.

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