Ärzte Zeitung, 10.11.2014

Prostata-Ca

Marker im Blut für Resistenz

US-Onkologen haben im Blut von Männern mit metastasiertem Prostatakarzinom in Krebszellen einen RNA-Marker identifiziert, der eng mit Resistenzen gegen Abirateron und Enzalutamid assoziiert ist.

Marker im Blut für Resistenz

Im Blut wurde ein RNA-Marker identifiziert, der eng mit Resistenzen gegen Abirateron und Enzalutamid assoziiert ist.

© Simon Stone / Science Photo Library / Image Source

BALTIMORE/USA. Es wird geschätzt, dass zwischen 20 und 40 Prozent der Männer mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom auf Abirateron oder Enzalutamid nicht ansprechen. Aufgrund einer primären Resistenz sinkt der Spiegel des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) trotz der Behandlung nicht.

Und fast alle Patienten, die zunächst auf beide Präparate ansprechen, entwickeln dann im Laufe der Behandlung eine sekundäre Resistenz.

Schon seit einigen Jahren vermuten Wissenschaftler, dass dies im Zusammenhang mit einer Variante des Androgenrezeptors steht.

Dieser Variante fehlt jener Abschnitt, an den Androgene und Enzalutamid binden und dadurch normalerweise die Signalkaskade in Krebszellen unterbrechen, die unter anderem Zellproliferation und PSA-Sekretion fördert.

Die Rezeptorvariante wird als AR-V7 bezeichnet. Im Blut taucht bei Männern mit dieser Variante die entsprechende Boten-RNA (mRNA) auf.

Krebszellen untersucht

US-amerikanische Onkologen um Dr. Emmanuel S. Antonarakis und seine Kollegen von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore haben den Zusammenhang nun bei 31 Patienten, die mit Enzalutamid behandelt wurden, und bei ebenso vielen Patienten, die mit Abirateron therapiert wurden, überprüft (NEJM 2014; 371: 1028-1038).

Insgesamt bei 39 Prozent der Männer in der Enzalutamidgruppe und bei 19 Prozent in der Abiraterongruppe ließ sich AR-V7 mithilfe der Polymerasekettenreaktion (PCR) in zirkulierenden Krebszellen nachweisen.

Bei positiv getesteten Männern, die mit Enzalutamid behandelt wurden, konnte kein PSA-Ansprechen festgestellt werden. Dieser primäre Endpunkt war definiert als Abnahme des PSA-Spiegels um mindestens 50 Prozent über mindestens vier Wochen im Vergleich zu Studienbeginn.

In der Vergleichsgruppe der negativ getesteten Männer unter Enzalutamidtherapie lag die PSA-Reaktionsrate dagegen bei 53 Prozent.

Außerdem lag das PSA-progressionsfreie Überleben bei Männern mit positivem PCR-Test mit 1,4 Monaten deutlich niedriger als in der Gruppe mit negativem Testergebnis (median sechs Monate).

Auch beim Parameter Gesamtüberleben war der Unterschied zwischen den beiden Gruppen signifikant (median 5,5 Monate vs. Endpunkt noch nicht erreicht).

AR-V7-Nachweis im PCR-Test

Ähnliche Ergebnisse wurden bei Patienten mit Abirateron-Behandlung und PCR-Test dokumentiert. Auch hier hatten positiv getestete Männer kein PSA-Ansprechen im Vergleich zu einem Anteil von 68 Prozent in der Gruppe der Männer ohne AR-V7-Marker im Blut.

Auch beim PSA-progressionsfreien Überleben (median 1,3 versus noch nicht erreicht) und dem Gesamtüberleben (median 10,6 versus noch nicht erreicht) schnitten Patienten mit positivem Testergebnis signifikant schlechter ab.

Die Onkologen weisen darauf hin, dass die Assoziation zwischen dem Nachweis der Rezeptorvariante und der Therapieresistenz auch dann bestehen blieb, wenn bei der Auswertung Ergebnisse von Tests auf mRNA unveränderter Androgenrezeptoren berücksichtigt wurden.

Sollte sich die Assoziation zwischen AR-V7-Nachweis und Therapieresistenz in künftigen Studien bestätigen, könnte dieser Marker helfen, Resistenzentwicklungen vorherzusagen, und die Entscheidung für alternative Therapiestrategien erleichtern, wie die Onkologen schreiben.

Allerdings hätten sie mit ihrer Studie keinen kausalen Zusammenhang belegt. Möglich sei auch, dass AR-V7 einen Marker etwa für eine weit fortgeschrittene Prostatakrebserkrankung darstelle. (ple)

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