Ärzte Zeitung, 13.02.2015

Prostata-Krebs

Risiko Rauchen während der Bestrahlung

Eine Bestrahlung bei lokalisiertem Prostata-Ca wäre ein guter Zeitpunkt, das Rauchen aufzugeben. Denn aktive Raucher bekommen in der Folgezeit häufiger Rezidive, Metastasen und sterben eher an dem Tumor.

Von Thomas Müller

Risiko Rauchen während der Bestrahlung

Spätestens bei der Krebsdiagnose sollte man mit dem Rauchen aufhören.

© Hannes Strasser / fotolia.com

NEW YORK. Ob Rauchen tatsächlich das Risiko erhöht, an einem Prostata-Ca zu erkranken, ist noch umstritten — epidemiologische Daten sind hier recht uneinheitlich.

Allerdings scheint klar zu sein, dass Raucher, wenn sie einen solchen Tumor bekommen, eine schlechtere Prognose haben: Metastasen treten bei ihnen häufiger auf als bei Nichtrauchern, auch führt der Tumor bei ihnen öfter zum Tod.

Dies könnte zum einen daran liegen, dass sich Raucher zum Zeitpunkt der Erkrankung in einem schlechteren Allgemeinzustand befinden, oder aber daran, dass die Toxine aus dem Tabak den Therapieerfolg und die Nebenwirkungen beeinflussen.

Dann müssten sich Metastasierungs- und Mortalitätsraten bei aktiven und einstigen Rauchern deutlich unterscheiden.

In einer Studie haben nun Radiologen um Dr. Emily Steinberger vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York geprüft, ob sich solche Effekte bei einer externen Bestrahlung von Männern mit lokalisiertem Prostatatumor nachweisen lassen (BJU Int 2015; online 27. Januar).

Sie schauten zu diesem Zweck in den Krankenakten des Krebszentrums nach dem Raucherstatus und dem Therapieergebnis bei allen Männern, die zwischen 1988 und 2005 an dem Zentrum aufgrund eines solchen Tumors bestrahlt worden waren.

Daten von 2156 Männern

Insgesamt fanden sie Daten zu 2156 Männern, bei denen der Raucherstatus notiert worden war. 41 Prozent hatten nie regelmäßig geraucht, 49 Prozent hatten irgendwann einmal in der Vergangenheit geraucht, und lediglich 7,6 Prozent taten dies auch noch zu Beginn der Strahlentherapie.

Im Median konnte das Schicksal der Patienten über knapp acht Jahre nachverfolgt werden.

In dieser Zeit stellten die Wissenschaftler ein biochemisches Rezidiv — einen Anstieg des PSA-Werts über 2ng/ml — bei 52 Prozent der Nichtraucher, 63 Prozent der ehemaligen und 66 Prozent der aktiven Raucher fest.

Statistisch signifikant war nur der Unterschied zwischen aktiven Rauchern und Nichtrauchern.

Wurden nun noch eine Reihe von Faktoren wie Alter und Tumorstadien berücksichtigt, so war die Rezidivrate bei den aktiven Rauchern im Vergleich zu den Nichtrauchern um 37 Prozent erhöht, bei den ehemaligen Rauchern hingegen nur um 7 Prozent.

Auch hier war einzig der Wert bei den aktiven Rauchern signifikant.

Schauten sich die Forscher an, wie lange und wie viel die Raucher in der Vergangenheit gequalmt hatten, so ergab sich ebenfalls kein Zusammenhang mit der Rezidivrate.

Entscheidend ist danach lediglich, ob die Männer zum Zeitpunkt der Tumorbehandlung immer noch rauchen.

Risiko für Metastasen erhöht

Ein ähnliches Bild ergab sich mit Blick auf Metastasen. Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von zehn Jahren Fernmetastasen zu entwickeln, liegt nach den Ergebnissen der US-Radiologen für Nichtraucher bei 72, für ehemalige Raucher bei 86 und für aktive Raucher bei 87 Prozent.

Auch hier kommen die Unterschiede erst zur Geltung, wenn wieder eine Reihe von Begleitfaktoren berücksichtigt wird. Dann zeigen aktive Raucher ein um 130 Prozent erhöhtes Metastasierungsrisiko, ehemalige Raucher hingegen nur eine um 12 Prozent erhöhte Gefahr für eine Tumorstreuung.

Auch ist nach dieser Untersuchung die tumorspezifische Sterberate bei den aktiven Rauchern um 130 Prozent erhöht, bei den ehemaligen Rauchern nur um 33 Prozent.

Zudem haben aktive Raucher ein erhöhtes Risiko (plus 80 Prozent) für urogenitale toxische Nebenwirkungen, bei ehemaligen Rauchern ist dieses Risiko etwas geringer (plus 45 Prozent).

Was lässt sich nun aus diesen Daten schließen? Zunächst einmal scheint es gewagt, den aktiven Rauchern eine schlechtere Prognose zu attestieren als den ehemaligen Rauchern - die absoluten Rezidiv-, Metastasierungs- und Todesraten bei diesen beiden Gruppen liegen sehr nahe beieinander, die Unterschiede ergeben sich erst in der multivariaten Analyse, und diese ist bei der recht kleinen Zahl von aktiven Rauchern doch etwas problematisch.

Letztlich scheint aber auch in diese Studie Rauchen die Prognose zu verschlechtern. Und spätestens mit der Krebsdiagnose den Glimmstängel endgültig beiseite zu legen, dürfte in jedem Fall eine gute Idee sein.

Glaubt man anderen Studien, gibt es durchaus einen Zusammenhang zwischen Prognose und Tabakkonsum in der Vergangenheit: Je mehr jemand geraucht hat, umso schlechter ist sie, wobei sich der Einfluss nach 10 bis 20 Jahren Tabakkarenz offenbar nicht mehr nachweisen lässt.

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