Ärzte Zeitung, 21.04.2015

Antibiotikatherapie

PSA-Spiegel sinkt doch nicht

Eine Antibiotika­behandlung trägt bei Männern nicht - wie von manchen erhofft - dazu bei, moderat erhöhte PSA-Spiegel zu senken, zeigt eine Studie. Darin wurde auch untersucht, ob mit Antibiotika überflüssige Prostatabiopsien vermieden werden können.

Von Peter Leiner

PSA-Spiegel sinkt doch nicht

Antibiotika sollten nach Meinung der Studienautoren nur Männer mit nachgewiesener Entzündung oder Infektion der Prostata bekommen.

© somenski / fotolia.com

CHENGDU / CHINA. Nur bei 20 bis 30 Prozent der Männer mit einem PSA-Spiegel zwischen 4,0 bis 10,0 ng/ml wird ein Prostatakarzinom nachgewiesen, mit der Folge, dass viele Patienten unnötige Biopsien über sich ergehen lassen müssen.

Ergebnisse der Studie "European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer" vor mehr als zehn Jahren ließen vermuten, dass bei Männern mit erhöhten PSA-Spiegeln und bestätigten oder vermuteten gutartigen Veränderungen des Organs eine Antibiotikatherapie dazu beitragen kann, die Zahl unnützer Prostatabiopsien zu senken.

Um herauszufinden, welchen Effekt eine Antibiotikabehandlung tatsächlich auf moderat erhöhte PSA-Spiegel im Vergleich zu einem Scheinpräparat oder zu keiner Behandlung hat und ob sich dadurch Biopsien vermeiden lassen, haben chinesische Urologen um Dr. Lu Yang von der Sichuan-Universität in Chengdu eine Metaanalyse gemacht (Urol Oncol 2015; online 6. März).

PSA-Reduktion variiert stark

Dafür konnten sie die Daten von insgesamt sechs randomisierten kontrollierten Studien verwenden. Eine Studie war placebokontrolliert, in den anderen fünf Studien erhielten die Patienten der Vergleichsgruppen statt Antibiotika keine Behandlung.

Bereits aus den Ergebnissen früherer Studien geht hervor, dass das Ausmaß der PSA-Reduktion nach einer Antibiotikabehandlung stark variiert und zwischen 7 und 43 Prozent liegt. Nach Angaben der Urologen bestätigten nun die meisten Studien der Metaanalyse, dass Antibiotika nicht in der Lage sind, PSA-Spiegel ausreichend zu senken und so die Karzinomentdeckungsrate bezogen auf die Zahl der Biopsien zu erhöhen.

Zwar seien die PSA-Spiegel unter 4 oder sogar unter 2,5 ng/ml, beziehungsweise um mehr als 50 Prozent gesenkt worden. Doch sei kein signifikanter Unterschied zwischen den Patienten mit Antibiotikatherapie und den Kontrollgruppen auszumachen gewesen, so die Urologen. Dies gelte auch für die Zahl der Patienten mit nachgewiesenem Prostatakarzinom.

Auch auf einen weiteren wichtigen negativen Effekt der Antibiotikatherapie machen die Urologen aufmerksam. Wie stark auch immer der PSA-Wert durch Antibiotika gesenkt werden kann: Stets wird es von einigen betroffenen Männern als Erfolg der Behandlung gewertet, sodass sie sich in falscher Sicherheit wiegen und weniger zu einer Prostatabiopsie bereit sind.

Manche Patienten würden sogar eher eine zweite Antibiotikarunde wünschen und andere Maßnahmen zur Abklärung ablehnen.

Die Forscher plädieren dafür, Antibiotika nur bei Männer mit nachgewiesener Entzündung oder Infektion der Prostata zu verordnen. Noch sei aber unklar, wie sich Patienten am besten erkennen lassen, für die eine Antibiotikatherapie infrage kommt.

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