Ärzte Zeitung, 08.01.2016

Prostatektomie

Leistenhernien als Zufallsbefund

Dass bei einer radikalen Prostatektomie eine Leistenhernie entdeckt wird, ist keine Seltenheit. Texanische Chirurgen suchten nun nach möglichen Vorboten eines solchen Zusammentreffens.

SAN JUAN. Früheren Studienergebnissen zufolge ist es keine Seltenheit, während einer robotergestützten radikalen Prostatektomie (RP) auf eine Leistenhernie zu stoßen.

Auch wenn ein Prostata-Ca üblicherweise nicht mit einer Blasenentleerungsstörung einhergeht, kann ein Teil der Krebspatienten dennoch gleichzeitig unter einer benignen Prostatahypertrophie mit entsprechenden Symptomen der Harnwege leiden.

Die zeitgleiche Entfernung der Prostata und Reparatur der Hernie sind dann offenbar ohne zusätzliche Komplikationen möglich. Ricardo Sánchez-Ortiz und Kollegen von der University of Puerto Rico School in San Juan, USA, haben jetzt nach prädiktiven Anhaltspunkten für einen Leistenbruch bei 639 Männern, die sich einer RP unterzogen, gesucht (J Urol 2015, 8. Dezember online).

Bei 8,6 Prozent der chirurgischen Patienten stellten die Operateure zusätzlich einen Leistenbruch fest, bei fast einem Viertel dieser Patienten beidseitig. Nur knapp die Hälfte der Hernien war vor der Operation diagnostiziert worden.

Die Auswertung der Variablen zeigte: Ein besonders hohes Risiko für die Entwicklung einer Leistenhernie hatten Patienten mit hohem International Prostate Symptom Score (IPSS). Bei Männern mit präoperativem IPSS von ≥ 15 (Score von 1-35) lag das Risiko für eine notwendige Hernienbehandlung zum Zeitpunkt der Prostatektomie bei 22,4 Prozent.

In der Gruppe der Männer ohne oder mit nur minimaler Harnwegssymptomatik mussten lediglich 5 Prozent zusätzlich an einem Leistenbruch operiert werden (Odds Ratio, OR 5,54).

Größe der Prostata kein Indiz

Keine Anhaltspunkte für eine Hernie lieferten dagegen die Größe der Prostata, der Body-Mass-Index, das Patientenalter, das Ausmaß des Blutverlustes bei der RP, die Erfordernis von Transfusionen, die Dauer der Operation beziehungsweise des stationären Aufenthalts oder irgendeine Op-Komplikation (Clavien II-IV).

Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 27,9 Monaten kam es bei den mit einem ULTRAPRO-Netz versorgten Patienten zu einem einzelnen Hernienrezidiv. Bei keinem der Patienten traten netzbedingte Schmerzen oder Erosionen auf.

Fazit der Autoren: Bei Männern mit Blasenentleerungsstörung trat eine Leistenhernie, unabhängig von der Prostatagröße, fünfmal häufiger auf als bei Männern ohne Harnwegssymptom.

Da aber nur jede zweite bei einer Prostatektomie gesehene Hernie bekannt war, raten Sánchez-Ortiz und Kollegen, Patienten mit mittelstarken bis starken Harnwegssymptomen (IPSS ≥ 15) über eine möglicherweise gleichzeitig erforderliche Hernienversorgung im Vorfeld aufzuklären. (St)

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