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Studie

Familiärer Prostatakrebs nicht aggressiver

Die naheliegende Annahme, familiärer Prostatakrebs sei prognostisch besonders ungünstig, trifft zumindest in der PSA-Ära nicht mehr zu. Niederländische Ärzte fordern deshalb, die Definition des familiären Risikos zu überdenken.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Prostatakrebs im Modell: Das genetische Risiko stützt sich nur auf die Zahl der erkrankten Angehörigen.

Prostatakrebs im Modell: Das genetische Risiko stützt sich nur auf die Zahl der erkrankten Angehörigen.

© freshidea / fotolia.com

NIJMEGEN. Prädisponierende genetische Faktoren für ein Prostatakarzinom sind zwar einige wenige bekannt, etwa BRCA2- oder HOXB13-Mutationen. Diese sind aber sehr selten und können daher nur die Entstehung einiger weniger erblich bedingte Tumoren erklären.

Die Definition des familiären Prostatakrebses stützt sich daher immer noch auf die Zahl der erkrankten Familienangehörigen.

Ein solcher familiär bedingter Krebs liegt danach vor, wenn drei Verwandte ersten Grades oder zwei Verwandte ersten sowie ein Verwandter zweiten Grades im Alter unter 55 Jahren oder in drei aufeinanderfolgenden Generationen daran erkrankt sind.

Bei einer solchen Familienanamnese wird Männern im Alter von 50 bis 75 Jahren in den Niederlanden zu jährlichen PSA-Messungen geraten.

Dadurch könnte es jedoch zu einer Überdiagnose von Prostatakrebs kommen, warnen Ärzte um Dr. Ruben G. Cremers vom Radboud University Medical Centre in Nijmegen(Prostate 2016, online 14. März). Nach ihrer Analyse ist erblicher Prostatakrebs, obwohl klinisch günstig, häufiger Anlass für eine radikale Therapie als ein sporadisch aufgetretener Prostatakrebs.

Für die Studie zogen die Forscher das niederländische Register für familiären Prostatakrebs (hereditary prostate cancer, HPC) und das allgemeine Krebsregister zum sporadischen Prostatakarzinom (sporadic prostate cancer, SPC) heran. Verglichen wurden dabei die Daten von 324 HPC-Patienten (mittleres Alter 62,8 Jahre) und von 1664 SPC-Patienten (65,5 Jahre). Alle Patienten waren bei Diagnose höchstens 75 Jahre gewesen.

Ergebnis: Die HPC-Patienten hatten zum Zeitpunkt der Diagnose niedrigere PSA-Spiegel. Zum Beispiel lagen die PSA-Werte bei nur bei 18 Prozent dieser Gruppe über 20 ng/ml im Vergleich zu 29 Prozent bei den SPC-Patienten.

Bei HPC-Patienten ergab sich im Vergleich zudem seltener eine lokal fortgeschrittene Erkrankung (cT-Stadium =T3: 13 vs 23 Prozent), ein Lymphknotenbefall (5 vs 8 Prozent) oder Fernmetastasen (6 vs 9 Prozent). Eine Hochrisiko-Erkrankung gemäß NICE-Kriterien bestand bei 38 Prozent der HPC-Patienten im Vergleich zu 51 Prozent der SPC-Patienten.

Zweifel an generellem Screening

Trotz der günstigen Ausgangssituation entschied man sich bei den HPC-Patienten im Vergleich zu den SPC-Patienten seltener für die aktive Überwachung (7 vs 14 Prozent) sowie häufiger für eine radikale Prostatektomie (41 vs 36 Prozent) und eine Radiotherapie und (21 vs 11 Prozent).

Biochemische Rezidive traten in beiden Gruppen ähnlich häufig auf. Die Werte zum progressionsfreien Fünf-Jahres-Überleben waren bei den HPC-Patienten mit 78 Prozent etwas günstiger als bei den SPC-Patienten (74 Prozent). Ähnlich sah es beim Fünf-Jahres-Gesamtüberleben aus mit 85 Prozent (HPC) und 80 Prozent (SPC). Der Vorteil bei HPC beschränkte sich allerdings auf Patienten, die vor dem 65. Lebensjahr an Prostatakrebs erkrankt waren.

Die Studienautoren folgern aus ihren und weiteren Daten, "dass es keine überzeugenden Belege dafür gibt, dass familiärer Prostatakrebs aggressiver wäre als sporadisch auftretender".

Sie bezweifeln daher auch den Nutzen eines generellen PSA-Screenings für Männer mit erblichem Prostatakrebs in der Familie: "In Familien, in denen vor allem asymptomatische Niedrig-Risiko-Karzinome diagnostiziert werden, ist es fraglich, ob Angehörige von vermehrter Diagnostik profitieren", betonen Cremers und seine Kollegen.

Die Forscher schlagen daher auch vor, die Definition des familiärem Prostatakrebsrisikos zu überdenken. Solange es keine genetische Basis gibt, sei es dafür sinnvoll, außer der Zahl der betroffenen Verwandten auch die Aggressivität der gefundenen Tumoren als Kriterium heranzuziehen.

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