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Weniger Impotenz

Strahl statt Stahl bei Prostatakrebs

Wie kann die moderne Strahlentherapie als Ersttherapie bei Prostatakrebs stärker in den Fokus von Patienten und Ärzten gerückt werden? Darüber haben Radiologen auf ihrer Jahrestagung diskutiert. Denn einiges spricht für die Bestrahlung.

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Prostata-Ca: Ist die Bestrahlung der Op hinsichtlich der Folgewirkungen überlegen?

Prostata-Ca: Ist die Bestrahlung der Op hinsichtlich der Folgewirkungen überlegen?

© freshidea / Fotolia.com

BERLIN. In den frühen, nicht-metastasierten Erkrankungsstadien, in denen Prostatakrebs am häufigsten diagnostiziert wird, haben die Patienten heute die Wahl zwischen Operation, Strahlentherapie und dem "Zuwarten" mit engmaschiger Beobachtung ("active surveillance"). Alle drei Verfahren wurden bisher medizinisch als etwa gleichwertig eingestuft.

Etwa zwei Drittel der Männer mit auf die Prostat begrenzten Tumoren ohne Metastasen entscheiden sich dennoch für die Operation als „Firstline“-Therapie, schätzt Professor Daniel Zips vom Universitätsklinikum Tübingen. Nach seiner Erfahrung wählt nur etwa jeder Dritte die Strahlentherapie, sagte er zur „Ärzte Zeitung“ auf Anfrage.

Für Patienten könne diese Präferenz aber deutliche Nachteile haben. So ist die Strahlentherapie nach Studiendaten ebenso effektiv wie die Op, geht aber mit geringeren Raten von Inkontinenz und Impotenz einher, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) in einer Mitteilung zu ihrer Jahrestagung in Berlin. Belege dafür gibt es aus der britischen ProtecT-Studie (NEJM 2016; 375: 1415). Die 1643 Teilnehmer waren nach dem Zufallsprinzip entweder mit Op, Radiotherapie oder aktiver Überwachung behandelt worden.

Zehn Jahre nach der Intervention zeigte sich, dass die Patienten im Hinblick auf Erkrankungsprogression und Metastasierung von einer frühzeitigen Intervention (Op oder Strahlentherapie) profitierten. Zwischen den beiden Verfahren gab es hinsichtlich der Wirksamkeit keine signifikanten Unterschiede. Die Operation ging aber mit einer stärkeren Beeinträchtigung der Sexual- und der Harnwegsfunktion einher. Nach sechs Jahren waren 17 Prozent der operierten Patienten noch inkontinent (im Vergleich zu vier Prozent der bestrahlten Patienten) und bei 22 Prozent konnte sich keine Erektion einstellen (im Vergleich zu zwölf Prozent der bestrahlten Patienten).

 „Beides, Inkontinenz und Impotenz, sind Therapiefolgen, die die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigen können und in einem deutlich geringeren Maße nach der Strahlentherapie auftreten. Dies muss im Zusammenhang mit den etwas häufiger nach Bestrahlung auftretenden Nebenwirkungen am Darm mit den Patienten diskutiert werden“, so Zips in der Mitteilung.

Professor Stephanie E. Combs, Pressesprecherin der DEGRO, sieht daher Bedarf, stärker über die radioonkologische Behandlung zu informieren. „Die Strahlentherapie wird als Firstline-Therapie bei Tumoren, die auf die Prostata begrenzt sind und keine Metastasen gebildet haben, unterschätzt. Die wenigsten Patienten wissen, dass sie ebenso effizient ist wie die Operation, aber mit weniger Folgekomplikationen einhergeht. Die DEGRO setzt sich dafür ein, „dass die Strahlentherapie nicht nur postoperativ als Rettungsanker nach Rückfall erwogen wird.“

Dass sich die Mehrzahl der Männer dann nach der Beratung durch den Urologen zu den verschiedenen Optionen immer noch für die Operation als "Firstline-Therapie entscheiden, liegt nach Auffassung der Deutschen Gesellschaft für Radiologie (DEGRO) möglicherweise an einem"Bias" im System. Denn der beratende Urologe könne nur eine der angebotenen Therapieformen selbst durchführen: die Operation, heißt es in einer Pressemitteilung der DEGRO.

Schuld sei allerdings nicht eine unausgewogene Aufklärung der Kollegen, sondern es sei vor allem psychologisch erklärbar: Der Patient fasse Vertrauen zu dem Arzt, den er ggf. seit Jahren kennt, der ihm die Diagnose vermittle und mit ihm die möglichen Therapiewege bespreche – und da liege es nahe, dass der Patient auch eher die Therapieform wähle, die dieser Arzt selbst durchführen könnte, so die DEGRO. (run/eis)

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