Ärzte Zeitung, 07.07.2004

High-Tech-Einsatz verbessert virtuelle Koloskopie

Mit hochauflösendem CT, elektronischer Darmreinigung und Spezialsoftware werden Polypen noch besser enttarnt

WIESBADEN (gwa). Mit hochauflösenden Computer-Tomographen, elektronischer Darmreinigung und intelligenter Software, die Bilder vom Darm selbstständig analysiert und auffällige Bezirke markiert, wird die virtuelle Koloskopie immer weiter verfeinert. Nach wie vor ist aber die konventionelle Koloskopie "das beste diagnostische Verfahren, weil dabei nicht nur Polypen entdeckt, sondern gleichzeitig schmerzlos entfernt werden können", so der Radiologe Privatdozent Patrick Rogalla von der Charité in Berlin.

Aufnahme eines 3mm Polypen bei einer konventionellen Koloskopie: Rotglänzend hebt er sich vom Darmgewebe ab.
Der selbe Polyp bei einer virtuellen Koloskopie mit 5mm-CT: So ist der Polyp kaum erkennbar. Der selbe Polyp nun im hochauflösenden 1mm-CT: Jetzt ist der Polyp gut zu sehen. Fotos (3): Patrick Rogalla, Charité Berlin

Welche Voraussetzungen für die virtuelle Koloskopie mittels CT wichtig sind, die Vorteile der Untersuchung und für welche Patienten sie in Frage kommt, erläuterte Rogalla bei einer Veranstaltung beim Röntgen-Kongreß in Wiesbaden. An der Charité sind seit 1997 etwa 1500 Patienten mit dieser Methode untersucht worden; weltweit dürften es bislang um 30 000 Patienten sein, schätzt der Radiologe.

Wichtig ist nach Angaben von Rogalla, daß die Untersuchung mit einem hochauflösenden Gerät gemacht wird. Denn dann können auch kleinere Polypen schärfer oder überhaupt abgebildet werden. "Mit schnellen Geräten dauert eine solche CT-Koloskopie nur 15 Sekunden, das entspricht einmal Atemanhalten", sagte Rogalla.

Elektronische Darmreinigung erhöht die Diagnosesicherheit

Die sogenannte elektronische Darmreinigung erhöht die Sicherheit, das heißt, die Rate an falsch-negativen oder falsch-positiven Befunden kann reduziert werden. Die Patienten erhalten dazu bei der Vorbereitung außer einem Abführmittel (zweimal 45 ml) auch zweimal 30 ml eines oralen Kontrastmittels.

Der Stuhl durchmischt sich damit und hebt sich so deutlich von der Darmwand ab. Mittels Software können dann Stuhl- und Flüssigkeitsreste im Darm elektronisch aus den Bildern entfernt werden. Allerdings: Standard ist diese elektronische Darmreinigung noch nicht, das heißt, sie wird nicht überallangeboten, wo virtuelle Koloskopiengemacht werden, so Rogalla.

Ein Computerprogramm, das seines Wissens aber bislang nur an der Charité eingesetzt wird, ermittelt zusätzlich selbstständig auffällige Darmabschnitte und markiert sie, berichtete Rogalla. Das erleichtert die Befundung. Eine weitere Option für die Zukunft ist das virtuelle Aufschneiden des Darmes, ebenfalls mittels Software. Damit können Bilder errechnet werden, die denen im Op oder in der Pathologie ähneln.

Fachgesellschaften entwickeln nun CT-Koloskopierichtlinien

Ein Problem bei der virtuellen Koloskopie ist nach wie vor, daß sie bislang von jedem angeboten werden kann, der ein CT hat, egal welche Güte das Gerät hat und egal, ob der Betreffende mit dieser Untersuchung Erfahrungen hat. Deshalb sind die radiologischen Fachgesellschaften derzeit dabei, Richtlinien zu entwickeln, die sich unter anderem an denen der Gastroenterologen orientieren. Ein Untersucher darf zum Beispiel Vorsorgekoloskopien nur anbieten, wenn er mindestens 200 Koloskopien pro Jahr nachweisen kann, also erfahren ist, sagte Rogalla.

Für welche Patienten kann die virtuelle Koloskopie derzeit empfohlen werden? Dazu der Radiologe: "Indikationen sind etwa, wenn bei einem Patienten die konventionelle Koloskopie nicht vollständig gemacht werden konnte; wenn eine solche Untersuchung wegen Blutungsneigung, Verwachsungen oder Narben kontraindiziert ist oder wenn etwa Patienten trotz einer Indikation wie etwa familiäre Darmkrebsbelastung eine Darmspiegelung ablehnen." Ist eine virtuelle Koloskopie indiziert, dann wird sie auch von den Krankenkassen übernommen, wie Rogalla betonte.

Als Vorsorge-Untersuchung sei die virtuelle Koloskopie derzeit noch nicht das geeignete Verfahren. "Dafür ist diese Untersuchungsart noch nicht etabliert", sagte Rogalla.

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