Ärzte Zeitung, 15.11.2005

Blinddarm-Op - ganz ohne Narben auf der Haut

Transgastrische Endoskopie zur Op wird derzeit erprobt / Niedriges Infektionsrisiko / Kaum postoperative Schmerzen

HAMBURG (grue). Bei der Endoskopie geht der Trend immer mehr zum nicht-invasiven Operieren. So soll die transgastrische Endoskopie innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre praxisreif sein, hieß es jetzt beim 13. Fortbildungskongreß des Endo Club Nord.

Die transgastrische Endoskopie stößt bei den Kollegen auf großes Interesse, sagte Professor Robert Hawes aus Charleston in den USA. "Sie bringt Chirurgen näher an die Vision vom nicht-invasiven und damit atraumatischen Operieren heran", sagte Hawes bei der von den Unternehmen Altana und Olympus unterstützten Veranstaltung in Hamburg.

Bei dem als NOTES (Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery) bezeichneten Verfahren schiebt der Operateur ein weiterentwickeltes flexibles Op-Endoskop durch den Mund in den Magen und durch einen kleinen Schnitt in der Magenwand weiter in den Bauchraum.

    Ein Schnitt im Magen macht den Weg frei.
   

Die Öffnung in der Magenwand wird durch Dilatation mit einem Ballon offen gehalten. Nach der Op wird die Öffnung via Endoskop zugenäht, erklärte der US-amerikanische Experte.

Die meisten Erfahrungen mit der neuen Endoskopie-Technik gibt es in der Diagnostik als Alternative zur Laparoskopie. Aber auch Blinddarmoperationen und Tubenligaturen seien bereits auf diese Weise gemacht worden, sagte Hawes.

Anwendungsreif für die tägliche Praxis ist das Verfahren allerdings noch nicht, da noch einige Probleme zu lösen sind: Sie betreffen etwa den Magenwandverschluß und die Infektionsprophylaxe. Außerdem gelte es, die Sichtverhältnisse unter Schaffung eines stabilen Pneumoperitoneums zu verbessern, so der US-Kollege.

Die Vorteile der Methode lägen aber auf der Hand: Sie hinterläßt keine Narben, hat - sofern der Bauchraum mit Antibiotika gespült wird - ein recht niedriges Infektionsrisiko und verursacht kaum postoperative Schmerzen.

Das Verfahren sei in den USA nicht zuletzt auch deswegen entwickelt worden, weil dort immer mehr Patienten stark adipös seien und Laparoskopien dadurch erschwert würden, sagte Hawes.

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