Ärzte Zeitung, 05.12.2005

Gallenblasen-Entfernung durch den Magen?

Transgastrale Eileiter-Ligaturen, Appendix-Op oder Gastrojejunostomien / Die Machbarkeit wird bei Tieren geprüft

Minimal-invasive Operationen durch den Magen gehören zu den spektakulären Entwicklungen. Sie lassen die Grenzen zwischen Chirurgie und Gastroenterologie verschwimmen. Machbar könnten etwa Appendektomien, Eileiter-Ligaturen, aber auch Milz- oder Gallenblasen-Entfernungen sowie Gastrojejunostomien sein.

Vorteile der Schlüsselloch-Op sind ein geringer Blutverlust und wenig postoperative Schmerzen. Foto: dpa

Transgastrale Operationen sind eine Weiterentwicklung der bereits etablierten minimal-invasiven Operationen. Durch ein kleines Loch in der Magenwand können Operationsendoskope und -instrumente in die Bauchhöhle geschoben werden.

Dann kann man etwa die Appendix herausnehmen, Eileiter durchtrennen oder sogar Gastrojejunostomien machen. Getestet werden solche transgastralen Operationen bei Tieren. Mangelnde Sterilität scheint kein Problem zu sein. Das liegt auch daran, daß in der Magensäure praktisch keine Keime existieren können.

Doch welchen Vorteil werden Patienten davon haben? Wie groß ist der Nutzen mit der bereits etablierten minimal-invasiven Schlüsselloch-Technik etwa für Tumorpatienten? Professor Karl-Hermann Fuchs, Chefarzt der Klinik für Viszeral- Gefäß- und Thoraxchirurgie am Markus-Krankenhaus stellte Daten von 45 Patienten vor, bei denen die Speiseröhre wegen Krebs entfernt wurde.

25 erhielten eine laparoskopische Op, die anderen eine konventionelle. Vorteile der minimal-invasiven Op im Vergleich zur offenen: Der Blutverlust war signifikant geringer (600 ml versus 900 ml), ebenso die Liegezeit auf der Intensivstation (24 versus 48 Stunden). Die Morbidität allerdings war ähnlich (24 versus 25 Prozent); die Op-Zeit war mit der minimal-invasiven Technik länger (300 versus 257 Minuten). Ähnliche Daten gibt es auch bei kolorektalen Tumorresektionen.

Dennoch: "Gerade in palliativen Situationen zählt für die Patienten jede Woche mit guter Lebensqualität," betonte Fuchs. Ein ganz wichtiges Argument für Tumorpatienten: Sie haben postoperativ weniger Schmerzen als nach konventionellen Operationen..

Solche Argumente könnten auch für zukünftig wohl machbare transgastrale Operationen gelten. (gwa)

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