Ärzte Zeitung, 23.01.2007

Erste Option bei Divertikulitis: Antibiose

Diagnostik heute per Sonografie und Koloskopie / Wann eine Operation sinnvoll ist, wird individuell entschieden

LEIPZIG (scho). Jeder Dritte mit Darmdivertikeln bekommt Symptome wie Stuhlunregelmäßigkeiten, Schmerzen oder eine Divertikulitis. Bei einer ersten und unkomplizierten Divertikulitits-Attacke ist eine Therapie mit Breitband-Antibiotika erste Option. Die Operation wird vor allem bei wiederholten Schüben ins Auge gefasst.

Viele Barium-gefüllte Divertikel im Kolon. Obwohl ein solches Röntgenbild vielen Kollegen noch vertraut ist, plädieren Spezialisten dafür, zu koloskopieren. Foto: MRI

Die Divertikelkrankheit ist weit verbreitet. 65 Prozent der über 65-Jährigen haben eine Dickdarm-Divertikulose. Von Komplikationen wie Schmerzen und Stuhlunregelmäßigkeiten, Entzündungen, Stenosen, Fisteln, Blutungen oder Perforation sind 20 bis 30 Prozent der Divertikel-Träger betroffen.

Ein blandes stuhlgefülltes Divertikel, bei einer Koloskopie gesehen. Fotos (3): www.endoskopiebilder.de

Kein Polyp, sondern ein nach innen gestülptes Divertikel.

Hochrot sehen Darmwand und Divertikel bei Divertikulitis aus.

Obwohl Divertikel und auch Komplikationen so häufig vorkommen, sind Daten zur Diagnostik und Therapie eher mager. Auf dem Leipziger Gastroenterologischen Seminar fasste Professor Wolfgang Kruis aus Köln den aktuellen Wissensstand zusammen.

Diagnostisch sollte heute bei Divertikelkrankheit statt des immer noch verbreiteten Kolonkontrasteinlaufs eine vollständige Koloskopie gemacht werden. Denn dabei werden Adenome, Karzinome oder entzündliche Darmerkrankungen als Ursache der Beschwerden oder als zusätzliche Krankheit fast immer sicher ausgeschlossen. Eine Divertikulitis können erfahrene Untersucher per Ultraschall feststellen. Weitere Optionen sind CT oder auch MRT. Außerdem sind Entzündungszeichen wie Leukozyten oder BSG erhöht.

Die Therapie bei Divertikelkrankheit und Divertikulitis orientiert sich grundsätzlich an der gesundheitlichen Situation des betroffenen Patienten, so Kruis auf dem von Dr. Falk Pharma unterstützten Seminar.

Bei asymptomatischen Divertikeln steht die ballaststoffreiche Ernährung zur Prävention von Komplikationen im Vordergrund. Bei symptomatischer Divertikulitis wird in der Regel mit Antibiotika behandelt. Evidenzbasierte Daten, die solche Therapien untermauern, gibt es aber nur wenige, so Kruis.

Bei einer unkomplizierten Attacke, also ohne Abszess oder Perforation, erhalten Betroffene je nach Schweregrad ambulant oder stationär Antibiotika. Üblich sind etwa Metronidazol (täglich 2- bis 3-mal 400 mg) oder Fluorochinolone (etwa Ciprofloxacin 2- mal 250 mg / Tag) sowie Spasmolytika bei Bedarf. Eine Nahrungskarenz, eventuell auch Flüssigkost, sind unerlässlich.

Bei wiederkehrenden Divertikulitis-Schüben kann entweder operiert oder weiter mit Medikamenten behandelt werden. Doch welches auf Dauer die beste Option ist, ist noch unklar. Es mangelt noch an kontrollierten Studien.

Kruis plädierte dafür, das weitere Vorgehen mit dem Betroffenen zu entscheiden. Dabei sollten berücksichtigt werden: der klinische Befund der vorausgegangenen Attacken in CT und Sonografie, die Schwere der Erkrankung, weitere Begleitkrankheiten des Patienten sowie die Risiken der geplanten Maßnahme, etwa der Operation.

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