Direkt zum Inhaltsbereich

Erste Option bei Divertikulitis: Antibiose

LEIPZIG (scho). Jeder Dritte mit Darmdivertikeln bekommt Symptome wie Stuhlunregelmäßigkeiten, Schmerzen oder eine Divertikulitis. Bei einer ersten und unkomplizierten Divertikulitits-Attacke ist eine Therapie mit Breitband-Antibiotika erste Option. Die Operation wird vor allem bei wiederholten Schüben ins Auge gefasst.

Veröffentlicht:

Die Divertikelkrankheit ist weit verbreitet. 65 Prozent der über 65-Jährigen haben eine Dickdarm-Divertikulose. Von Komplikationen wie Schmerzen und Stuhlunregelmäßigkeiten, Entzündungen, Stenosen, Fisteln, Blutungen oder Perforation sind 20 bis 30 Prozent der Divertikel-Träger betroffen.

Obwohl Divertikel und auch Komplikationen so häufig vorkommen, sind Daten zur Diagnostik und Therapie eher mager. Auf dem Leipziger Gastroenterologischen Seminar fasste Professor Wolfgang Kruis aus Köln den aktuellen Wissensstand zusammen.

Diagnostisch sollte heute bei Divertikelkrankheit statt des immer noch verbreiteten Kolonkontrasteinlaufs eine vollständige Koloskopie gemacht werden. Denn dabei werden Adenome, Karzinome oder entzündliche Darmerkrankungen als Ursache der Beschwerden oder als zusätzliche Krankheit fast immer sicher ausgeschlossen. Eine Divertikulitis können erfahrene Untersucher per Ultraschall feststellen. Weitere Optionen sind CT oder auch MRT. Außerdem sind Entzündungszeichen wie Leukozyten oder BSG erhöht.

Die Therapie bei Divertikelkrankheit und Divertikulitis orientiert sich grundsätzlich an der gesundheitlichen Situation des betroffenen Patienten, so Kruis auf dem von Dr. Falk Pharma unterstützten Seminar.

Bei asymptomatischen Divertikeln steht die ballaststoffreiche Ernährung zur Prävention von Komplikationen im Vordergrund. Bei symptomatischer Divertikulitis wird in der Regel mit Antibiotika behandelt. Evidenzbasierte Daten, die solche Therapien untermauern, gibt es aber nur wenige, so Kruis.

Bei einer unkomplizierten Attacke, also ohne Abszess oder Perforation, erhalten Betroffene je nach Schweregrad ambulant oder stationär Antibiotika. Üblich sind etwa Metronidazol (täglich 2- bis 3-mal 400 mg) oder Fluorochinolone (etwa Ciprofloxacin 2- mal 250 mg / Tag) sowie Spasmolytika bei Bedarf. Eine Nahrungskarenz, eventuell auch Flüssigkost, sind unerlässlich.

Bei wiederkehrenden Divertikulitis-Schüben kann entweder operiert oder weiter mit Medikamenten behandelt werden. Doch welches auf Dauer die beste Option ist, ist noch unklar. Es mangelt noch an kontrollierten Studien.

Kruis plädierte dafür, das weitere Vorgehen mit dem Betroffenen zu entscheiden. Dabei sollten berücksichtigt werden: der klinische Befund der vorausgegangenen Attacken in CT und Sonografie, die Schwere der Erkrankung, weitere Begleitkrankheiten des Patienten sowie die Risiken der geplanten Maßnahme, etwa der Operation.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Dissens in Bezug auf Wirksamkeit

Wem oder wogegen helfen Probiotika?

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Raumfahrtmediziner im Porträt

Jens Jordan – ein Arzt für Weltall und Erde

Lesetipps
Dreidimensionale gerenderte Darstellung der Anatomie des menschlichen Herzens.

© PIC4U / stock.adobe.com

Schutzmechanismus entdeckt?

Warum Krebs im Herzen selten vorkommt

Eine Frau hat einen kleinen Ventilator in der Hand.

© Marcus Brandt/dpa

Auf einen Blick

Unsere Beiträge zum Thema Hitze in der Übersicht