Ärzte Zeitung, 01.02.2007

Bei Divertikulitis reicht oft Arznei plus Flüssigkost

Antibiotika und 5-ASA-Präparate lindern Beschwerden dauerhaft / Neue Daten aus kontrollierter Studie

HAMBURG (grue). Drei von vier Patienten mit akuter Divertikulitis brauchen keine Darmoperation. Denn Stenosen, Abszesse und Perforationen sind bei solchen Patienten eher die Ausnahme. Meist genügt eine antibiotische Therapie und dazu Flüssigkost, Spasmolytika sowie 5-ASA-Präparate.

Eine Divertikulose wird dann zur Krankheit, wenn die Betroffenen davon Bauchschmerzen oder Probleme mit dem Stuhlgang bekommen. "Dann muss zunächst durch eine Koloskopie ein Kolonkarzinom ausgeschlossen werden", sagte Professor Wolfgang Kruis aus Köln bei einer gastroenterologischen Fortbildungsveranstaltung in Hamburg.

Sonografisch oder besser noch computertomografisch erkennt man Divertikel, verdickte Darmwandabschnitte mit oder ohne Entzündung. Gelegentlich werden in diesem Zusammenhang auch Abszesse oder gar Stenosen, Blutungen oder Perforationen festgestellt. Dann ist eine Operation notwendig. "Bei Patienten mit unkomplizierter Divertikulitis reicht dagegen die konservative Therapie", so Kruis bei der von der Falk Foundation unterstützten Veranstaltung.

Bewährt hat sich Nahrungskarenz in Verbindung mit Antibiotika. Derzeit werden bei Divertikulitis Metronidazol oder Ciprofloxacin verordnet. Ziel der Behandlung ist es, den akuten Schub zu heilen und Rückfälle zu verhindern. Einen solch vorbeugenden Effekt hat wohl auch die zusätzliche Behandlung mit dem 5-ASA-Präparat Mesalazin, sagte Kruis.

In einer Studie war die Kombinationstherapie bei rezidivierender akuter Divertikulitis wirksamer als die Antibiose allein. Eine Arbeitsgruppe um Kruis hat den Effekt von Mesalazin (Salofalk Mikropellets) nun auch in einer kontrollierten Studie gegen den von Placebo geprüft. An der noch nicht publizierten Untersuchung haben 123 Patienten mit schmerzhafter Divertikelkrankheit teilgenommen. Sie wurden vier Wochen mit Mesalazin, dreimal täglich 1 g, oder mit Placebo behandelt. Bei konsequenter Einhaltung der Therapie wurden die Verum-Patienten signifikant schneller schmerzfrei und hatten nach einem Monat weniger Beschwerden als die Patienten der Placebo-Gruppe.

Nach einer ausgeheilten akuten Divertikulitis bleiben etwa 80 Prozent der Patienten anhaltend beschwerdefrei, wie Kruis berichtet hat. Die übrigen behalten eine chronische Divertikelentzündung zurück und brauchen bei wiederholen Rezidiven meist eine Darmoperation.

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