Ärzte Zeitung, 22.01.2008

Ziel bei Kurzdarm: Enterale Ernährung

Frühe enterale Kost nach Op ist wichtig, um die Adaption anzuregen und einer Zottenatrophie vorzubeugen

FRANKFURT/MAIN (hbr). Patienten mit Kurzdarmsyndrom (KDS) können sich bei ausreichender Länge des verbliebenen Dünndarms und nach erfolgreicher intestinaler Anpassung oft enteral ernähren. Die Behandlung erfordert allerdings Ausdauer.

 Ziel bei Kurzdarm: Enterale Ernährung

Dünndarm im Blick - besonders bei Kurzdarmsyndrom.

Foto: kaulitzki© www.fotolia.de

Das KDS ist charakterisiert durch Malabsorptionssyndrome, die zum Beispiel nach ausgedehnter Dünndarm-Resektion entstehen. Dabei komme es zum Verlust oder Ausfall von 50 bis 75 Prozent des Dünndarms, sagte Professor Axel Dignaß vom Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main. Häufigste Resektionsursache sind mit 46 Prozent Mesenterial-Infarkte. Andere Ursachen sind Traumata, Tumoren oder Motilitätsstörungen

Nach der Operation kommt es zu einer Hypersekretion

In den ersten Wochen nach der Operation kommt es durch Hypersekretion zu hohen Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten. Das Stuhlvolumen beträgt über 2,5 l pro Tag. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und total-parenterale Ernährung seien essenziell, betonte Dignaß. Allein durch erhöhte Magensaftsekretion verlieren die Patienten täglich bis zu zwei Liter Flüssigkeit. Deshalb brauchen die Patienten auch einen Protonenpumpen-Hemmer.

Mit enteraler Kost lässt sich Zottenhypertrophie anregen

In den Folgemonaten passt sich der Darm vor allem durch eine Zotten-Hypertrophie der reduzierten Absorptionsfläche an. Der Flüssigkeitsverlust geht zurück. Daher ist auch ein früher enteraler Kostaufbau wichtig, denn schon nach drei parenteralen Tagen kann eine Zottenatrophie einsetzen. Die Diät sollte komplex sein, um die Adaption anzuregen.

Während der anschließenden Stabilisierungsphase nehmen Durchfall und Steatorrhö weiter ab. Die Patienten werden möglichst weiter auf enterale und auf Mischkost umgestellt. Kleine Mahlzeiten, bis zu zwölf Mal täglich, sind wichtig, um die Resorptionsvorgänge optimal zu nutzen. Vitamine und Spurenelemente müssen trotzdem oft noch ersetzt werden.

Bei Patienten, die nach der Operation beim Hausarzt über Durchfall, Fettstühle und Gewichtsverlust klagen, ist die Adaptation möglicherweise noch im Gange. Nehmen sie dabei ständig ab, dann sollte früh wieder an parenterale Ernährung gedacht werden, so Dignaß bei der von der Falk-Foundation und Nycomed unterstützten Veranstaltung in Frankfurt am Main. Dauerhaft parenteralen Bedarf haben vier von fünf Patienten mit einer Rest-Dünndarm-Länge unter 50 cm. Über 100 cm ist es nur jeder Zehnte.

Bei bakterieller Fehlbesiedlung sind Antibiotika indiziert

Bei bakterieller Fehlbesiedlung als sekundäre Komplikation kommen Antibiotika zum Einsatz, beim Gallensäureverlust-Syndrom nach Resektion des terminalen Ileums Cholestyramin. Octreotid mindert die Übersekretion in Magen, Blinddarm und Galle und beeinflusst die Transitzeit, die auch durch Loperamid verlängert wird.

Elektrolyt-Entgleisung, Dehydrierung und metabolische Entgleisung sind kompensierbar. Mangelerscheinungen - etwa der Vitamine K, A, E, D und B12 - müssen erfasst und ausgeglichen werden. Gedacht werden sollte auch daran, dass Laktose-Intoleranz und Kathetersepsis entstehen können.

Dünndarm-Transplantation ist die Ultima Ratio

Bei total-parenteraler Ernährung entwickelt fast jeder zweite Patient nach 17 Monaten Leber-Probleme, jeder fünfte eine deutliche Fibrose. Eine Zirrhose haben nach drei Jahren sechs Prozent. Dignaß empfiehlt, bei dauerhaft total-parenteraler Ernährung eine Dünndarm-Transplantation zu erwägen.

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