Ärzte Zeitung, 01.04.2008

Prophylaxe verhindert jede zweite Reisediarrhö

Reisemediziner rät zu Tanninalbuminat-Präparaten / Tropenreisende sollten ein Antibiotikum mitnehmen

WIESBADEN (ug). Mittel der ersten Wahl gegen Reise- diarrhö sind Tannin-albuminat-Präparate. Sie wirkten gut bei akutem Durchfall und hätten sich auch zur Reisediarrhö-Prophylaxe bewährt, sagte der Berliner Reisemediziner Privatdozent Tomas Jelinek auf dem Internistenkongress.

Die Reisediarrhö ist die häufigste Reisekrankheit überhaupt. In manchen Ländern, vor allem Indien und Ägypten, leiden 80 Prozent der Touristen am "Delhi belly" oder am "Pyramiden sidestep". Bei den allermeisten Betroffenen sei die Reisediarrhö nicht auf Reisestress, Umstellung oder ähnliche Faktoren zurückzuführen: "Man kann davon ausgehen, dass die Reisediarrhö fast immer infektiös bedingt ist," so Jelinek.

Das Management bei Durchfall ist ein wichtiges Thema für die reisemedizinische Beratung, vor allem vor Reisen in Tropen oder Subtropen. Der Tropenmediziner vom Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin empfiehlt, Reisenden ein Tanninalbuminat-Präparat mitzugeben. Mit dem ersten ungeformten Stuhl sollten zwei Tabletten genommen werden, bei jedem folgenden ungeformten Stuhl eine weitere Tablette.

Das wirke im akuten Fall so gut wie ein Motilitätshemmer, etwa Loperamid. Eine Reisediarrhö-Prophylaxe ist möglich. In der Regel reicht es, mit Reiseantritt damit zu beginnen. Jelinek empfiehlt auch hier Tanninalbuminat, täglich je eine Tablette morgens und abends. Die Schutzrate liegt bei etwa 50 Prozent.

Häufig werden Probiotika, etwa Saccharomyces-Präparate, zur Diarrhö-Prophylaxe verwendet. Hier liege die Schutzrate im Mittel aber nur bei acht Prozent, sagte Jelinek.

Es mache Sinn, Tropenreisenden auch ein Antibiotikum mitzugeben, das sie nehmen sollen, wenn die Reisediarrhö mit blutigem Stuhl oder Fieber einhergeht. Wegen der zunehmenden Resistenzen eignen sich Chinolone nicht mehr so gut. Jelinek empfiehlt eher Azithromycin. In den USA gibt es inzwischen ein neues Mittel gegen Reisediarrhö: das Antibiotikum Rifaximin, ein nicht resorbierbares Rifamycinderivat.

"Zur akuten Prävention von Durchfällen wird in den USA schon standardmäßig empfohlen, sofort mit dem ersten ungeformten Stuhl Rifaximin zu nehmen." Eine Prophylaxe mit Rifaximin sei in über 90 Prozent effektiv, hätten Studien ergeben, so Jelinek. Diese Dauer-Antibiose sei aber auch umstritten. Das Mittel ist in Deutschland noch nicht auf dem Markt.

Informatitonen über "reiseassoziierte Infektionskrankheiten" im Internet unter www.rki.de

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