Ärzte Zeitung, 02.01.2009

Zwei neue Verfahren erhöhen die Genauigkeit der Vorsorge-Koloskopie

MAINZ. Die Kombination zweier neuer Verfahren - Farbendoskopie plus Endomikroskopie - erhöht wesentlich die Zuverlässigkeit bei der Suche nach kolorektalen Tumoren. Besonders eignet sich dieses Vorgehen für die Überwachung von Risikopatienten.

In der Chromoendoskopie nach Anfärbung mit Methylenblau ist eine umschriebene auffällige Schleimhautstruktur zu erkennen.

Foto: Kiesslich

Von Angela Speth

Bei Teilnehmern mit Colitis ulcerosa (CU) ließen sich damit in einer Studie fast fünfmal mehr Neoplasien entdecken als mit konventioneller Koloskopie. Beim Vergleich der endomikroskopischen mit histologischen Biopsie-Befunden ergab sich eine Sensitivität von 95 Prozent und eine Spezifität von 99 Prozent.

Dickdarmschleimhaut eines Patienten mit Colitis ulcerosa in der herkömmlichen Endoskopie.

Foto: Kiesslich

Als weiterer Vorteil erwies sich, dass nur halb so viele Biopsien erforderlich waren, berichtete Professor Ralf Kiesslich bei einem Symposium des Unternehmens Falk in Mainz. Würde man sich auf umschriebene Läsionen beschränken, könnte man die Gewebeproben sogar um 90 Prozent reduzieren.

CU-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für kolorektale Tumoren, und zwar je nach Krankheitsdauer, Ausmaß der befallenen Darmmukosa, Schweregrad der Entzündung und Vorliegen einer primären sklerosierenden Cholangitis. Allerdings wachsen Neoplasien bei ihnen oft flach und multifokal, so dass sie leicht übersehen werden, wie Kiesslich erläuterte.

Mit der Farbendoskopie jedoch können Gastroenterologen kritische Läsionen gut auffinden und im gleichen Arbeitsgang mit den Fotos der Endomikroskopie entscheiden, ob die Veränderungen neoplastisch oder entzündlich sind und ob Biopsien oder Polypektomien erforderlich sind.

Mit neuen Verfahren wurden mehr Neoplasien entdeckt

Teilnehmer der Studie, in der Kiesslich und Kollegen diese Methoden geprüft haben, waren 161 CU-Patienten. Ungefähr die Hälfte untersuchten sie mit konventioneller Koloskopie, wobei sie alle 10 cm je vier Biopsien nahmen. So kamen sie auf durchschnittlich 42 pro Patient und eine Untersuchungsdauer von 31 Minuten. Vier intraepitheliale Neoplasien fanden sie in dieser Gruppe.

Die Endomikroskopie zeigt einzelne Zellen dieser Veränderung in 1000facher Vergrößerung.

Foto: Kiesslich

Bei der anderen Hälfte verwendeten die Wissenschaftler von der Universität Mainz die Farbendoskopie plus Mikroskopie. Für die Mikroskopie erhielten die Patienten vorab eine Infusion mit Fluoreszin, für die Farbendoskopie wurde das Darmlumen während der Untersuchung segmentweise mit Methylenblau eingesprüht. Mikroskopische Inspektionen erfolgten alle 10 bis 15 cm, Biopsien aber nur in auffälliger Mukosa, und zwar 21 pro Patient. Dabei brauchten die Ärzte im Schnitt jeweils 42 Minuten, insgesamt fanden sie 19 intraepitheliale Neoplasien.

Für die Chromoskopie werden Farben aufgesprüht

Die Farbendoskopie, auch Chromoskopie genannt, ermöglicht es, Neoplasien besser zu erkennen. Genutzt werden Kontrastfarbstoffe wie Indigokarmin oder Absorptivfarbstoffe wie Methylenblau, die mit Spraykatheter auf die Schleimhaut gesprüht werden. So erscheint das Oberflächenrelief der Krypten plastisch, und es können umschriebene Läsionen mit klaren Grenzen - Hinweis auf eine Neoplasie - unterschieden werden von Läsionen ohne klare Grenzen, die meist entzündliche Veränderungen sind.

Verdächtige Areale können nun im nächsten Schritt mit der Endomikroskopie besichtigt werden. Möglich wird diese In-vivo-Histologie durch den Einbau eines konfokalen Mikroskops in die Spitze eines Endoskops. Zuvor müssen fluoreszierende Kontraststoffe appliziert werden, die gängigsten sind systemisches Fluoreszin und lokales Akriflavin.

Die Endomikroskopie macht die Zellen sichtbar

In der Detailvergrößerung ist zu sehen, dass die Zellen unregelmäßig sind - Zeichen einer Neoplasie.

Foto: Kiesslich

Für die Untersuchung wird das Endomikroskop mit leichtem Druck auf der Darmschleimhaut platziert. Ein Blaulichtlaser erzeugt horizontale optische Schnitte bis zu einer Tiefe von etwa 250μm. So entstehen Bilder in Grautönen, auf denen in 100- bis 150-facher Vergrößerung Zellen, Bindegewebe und Gefäße zu erkennen sind. Diese Darstellung der Mikroarchitektur erlaubt eine Vorhersage der Dignität, also ob Neoplasien vorliegen oder nicht. Zudem lässt sich so die Rate gezielter Biopsien deutlich steigern, deren Gesamtzahl aber senken. Polypektomien oder Mukosaresektionen sind direkt anschließend möglich.

Die beiden Verfahren eignen sich nach Aussage von Kiesslich für die allgemeine Krebsvorsorge. Für die standardisierte Untersuchung bei CU hat eine internationale Expertenkommission die SURFACE-Richtlinien erarbeitet. Sie empfehlen zum Beispiel, die Patienten nach mindestens acht Jahren Erkrankungsdauer damit zu untersuchen. Weitere Anwendungsgebiete sind Diagnose eines Barrett-Ösophagus bei Refluxpatienten, Nachweis von H. pylori auf der Schleimhautoberfläche des Magens und Früherkennung von Magenkarzinomen.

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