Direkt zum Inhaltsbereich

Viele Ansätze bei funktioneller Dyspepsie

Etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung leiden an dyspeptischen Beschwerden. Meist steckt eine funktionelle Dyspepsie dahinter. Definitionsgemäß sind keine strukturellen Veränderungen nachweisbar. Finden lassen sich jedoch gastrointestinale Motilitätsstörungen und eine viszerale Hypersensitivität.

Christina OttVon Christina Ott Veröffentlicht:
Epigastrische Schmerzen und Übelkeit - der Übergang zwischen funktioneller Dyspepsie oder Reflux ist häufig fließend.

Epigastrische Schmerzen und Übelkeit - der Übergang zwischen funktioneller Dyspepsie oder Reflux ist häufig fließend.

© Foto: Gabriel Blajwww.fotolia.de

Epigastrische Schmerzen, Völlegefühl, Sodbrennen, Übelkeit oder Erbrechen - dieses Symptomenspektrum kann nicht nur auf eine funktionelle Dyspepsie (FD), sondern auch auf eine gastroösophageale Refluxerkrankung oder auf ein Reizdarmsyndrom hinweisen. Die funktionelle Dyspepsie ist somit - zumindest derzeit noch - eine Ausschlussdiagnose. Ändern könnte sich das mit Einsatz der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT). Professor Dipl.-Psych. Hubert Mönnikes von der Charité Berlin sieht in ihr eine Untersuchung, die eine Positivdiagnose der FD ermöglichen könnte (Der Gastroenterologe 6, 2008, 471).

Die fMRT ist eine nichtinvasive Messung der gastralen Akkommodation ohne Strahlenbelastung. In fMRT-Studien konnte bei über 60 Prozent der FD-Patienten eine Veränderung der Akkommodation oder Motilität festgestellt werden. Dabei handelte es sich zum Beispiel um eine isolierte Beschleunigung der initialen Magenentleerung oder um eine gestörte Relaxation in Kombination mit einer schnelleren Magenpassage.

Außer den veränderten gastrointestinalen Motilitätsstörungen findet sich bei Patienten mit FD zudem eine viszerale Hypersensitivität, so Mönnikes. Die Patienten empfinden im Vergleich zu Gesunden stärkere abdominale Beschwerden bei intragastralem Druckanstieg.

Die erste Maßnahme im Rahmen der Therapie bei FD ist es, den Patienten auf mögliche Triggerfaktoren zum Beispiel in Milchprodukten hinzuweisen. Eine Nikotinkarenz, gemäßigter Alkohol- und Koffeingenuss und die Vermeidung schwerbekömmlicher Nahrungsmittel können ebenfalls dabei helfen, die Symptome zu lindern. Reicht das nicht aus, kann in der FD-Therapie auf ein weites Spektrum von Medikamentengruppen und Wirkmechanismen zurückgegriffen werden. So ist zum Beispiel eine antisekretorische Therapie mit H2-Rezeptor-Antagonisten oder Protonenpumpenhemmern effektiv. Wobei in einer Metaanalyse vor allem Patienten mit ulzeröser oder refluxbedingter Dyspepsie profitierten. Auch eine H.-pylori-Eradikation brachte Vorteile.

Funktionelle Dyspepsie ist - derzeit noch - eine Ausschlussdiagnose.

Für Wirkstoffe, die die gastrointestinale Motilität positiv beeinflussen, konnte bei FD eine um 30 Prozent höhere Ansprechrate im Vergleich zu Placebo nachgewiesen werden. Zu diesen Prokinetika zählen zum Beispiel Metoclopramid, Domperidon, Trimebutin, Cisaprid, Itoprid und Mosaprid. Positive Effekte auf die gastrale Akkommodation konnten auch für Sumatriptan und Paroxetin nachgewiesen werden.

Auch pflanzliche Präparate werden bei Patienten mit FD häufig verwendet. Eine Metaanalyse von drei Studien mit mehr als 130 Patienten ergab zum Beispiel für STW5 (Iberogast®), das Auszüge aus neun verschiedenen Pflanzen enthält, einen positiven Einfluss auf die Magenfunktion. Das Präparat reduzierte die kontraktile Aktivität des Magenkorpus, während es die des Antrums steigerte.

Diagnostische Kriterien für funktionelle Dyspepsie

Die Kriterien müssen während der letzten 3 Monate vorhanden gewesen sein, ihr Beginn muss mindestens 6 Monate zurückliegen.

1. Die Diagnose umfasst eins oder mehrere der folgenden Symptome:

  • störendes postprandiales Völlegefühl,
  • frühe Sättigung,
  • epigastrische Schmerzen und / oder
  • epigastrisches Brennen 2. und zudem gibt es
  • keinen Anhalt für strukturelle Erkrankungen (einschließlich obere Endoskopie), die die Symptome wahrscheinlich erklären können

Quelle: Der Gastroenterologe 5, 2008, 415

Lesen Sie dazu auch: Ständig Bauchschmerzen? Entspannen und Reden hilft

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Malnutrition

Damit Sie Mangelernährung nicht übersehen: Darauf kommt es an!

Sechs Monate längeres Gesamtüberleben

Daraxonrasib beim Pankreaskarzinom: Besser als die Chemotherapie?

Funktionelle gastrointestinale Störungen

Säuglingskoliken: Wie viel Schreien ist normal?

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie kommuniziert man Zahlen und Risiken verständlich, Dr. Lühnen?

Medizin aus dem Kochtopf

Wie Ernährung die altersbedingte Makuladegeneration beeinflusst

Lesetipps
Schatten eines übergewichtigen Menschen an einer Wand.

© Luluraschi / stock.adobe.com

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn

Adipositas: Wechselspiel zwischen Genetik, Hirn und Mikrobiom

Fußballfans im Stadion jubeln.

© Jacob Lund / stock.adobe.com

Anpfiff fürs Herzrasen

Gefährlich emotional: Wenn Fußball aufs Herz geht