Ärzte Zeitung, 30.08.2010

Alkoholhepatitis? Sechs Wochen Karenz!

Bei hohen Leberwerten ist oft Alkohol die Ursache. Nicht immer muss dann eine umfangreiche Diagnostik erfolgen. Mitunter reicht der Rat zu striktem Alkoholverzicht.

Alkoholhepatitis? Sechs Wochen Karenz!

Ein Gläschen in Ehren: Zwar verzeiht die Leber viel, doch auch ihre Kapazität ist endlich.

© Sven Simon / imago

BADEN-BADEN (ner). Erhöhte Leberwerte unbekannter Ursache sind in der Allgemeinarztpraxis zu 30 bis 50 Prozent auf Alkohol zurückzuführen. Ein einfacher Test, bevor die weitere Diagnostik erfolgt: strikte Alkoholkarenz. Fragt man Patienten nach ihrem Alkoholkonsum, werden sie, so eine Faustregel, meist allenfalls die Hälfte des tatsächlichen Gebrauchs angeben. Es hilft, während des Gesprächs Brücken zu bauen, um dem tatsächlichen Alkoholkonsum nahe zu kommen.

Sind die Leberwerte erhöht und der Patient darüber beunruhigt, empfiehlt Professor Hans Weidenbach vom Klinikum Mittelbaden in Baden-Baden zunächst die komplette Alkoholkarenz über sechs Wochen zu vereinbaren, bevor weitere diagnostische Maßnahmen ergriffen werden - es sei denn, die Laborwerte zeigen bereits eine massive Schädigung an. Hält der Patient durch, gehen die Werte zurück.

Klassische klinische Zeichen der Alkoholhepatitis seien außer der Splenomegalie und Spider naevi sowie die teilweise sehr heftigen Oberbauchschmerzen bis hin zum Bild des akuten Abdomens, sagte Weidenbach beim MedCongress in Baden-Baden. Dies geht mit subfebrilen Temperaturen oder Fieber einher. Die Patienten haben eine ausgeprägte Leukozytose, teilweise bis 40000/Mikroliter und mehr. Zudem lohnt es sich, IgA, MCV-, Quick- und Bilirubin-Werte bestimmen zu lassen. In der Abdomen-Sonografie erkennt man das Bild der fettüberladenen "weißen Leber". Neurologische Folgen des Alkoholabusus sollten nicht übersehen werden.

Bei der Behandlung vergessen werde häufig die Substitution von Zink und Vitaminen, so Weidenbach. Die Ernährung insgesamt sollte hochkalorisch sein mit 30 bis 40 kcal/kg pro Tag. Frühere Empfehlungen einer proteinarmen Ernährung, um Enzephalopathien zu vermeiden, gelten heute nicht mehr, wenngleich dennoch nicht zu viel Protein aufgenommen werden soll. Der Nutzen von Kortikosteroiden ist umstritten. Gemieden werden sollten potenziell lebertoxische Medikamente wie Paracetamol sowie NSAR.

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