Ärzte Zeitung, 16.12.2010

Alkohol und Pfunde: Duo infernale für die Leber

Bei zwei von drei Menschen mit erhöhten Leberwerten lassen sich diese auf einen ungesunden Lebensstil zurückführen. Wer adipös ist, bei dem wirkt Alkohol verstärkt leberschädigend.

Von Thomas Meißner

Alkohol und Pfunde: Duo infernale für die Leber

95 Prozent der adipösen Alkoholiker haben eine Fettleber.

© Guy Erwood / fotolia.com

FREIBURG. Erhöhte Leberwerte sind häufiger als gedacht: So wurden in einer Studie mit knapp 7000 Einwohnern in Norditalien bei etwa zwei Dritteln erhöhte Leberenzyme nachgewiesen. Davon ließen sich je etwa ein Drittel auf eine nicht-alkoholbedingte Fettleber (NASH) sowie auf Alkoholabusus zurückführen.

Das sind die Ergebnisse der DIONYSOS-Studie, einem populationsbasierten Screening der Lebergesundheit der Bevölkerung zweier Städte in den Jahren 1992 und 2002. Die Prävalenz der nicht-alkoholbedingten Fettlebererkrankung nahm in den zehn Jahren von 25 auf 32 Prozent deutlich zu.

Dagegen halbierten sich die Anteile schwerer Trinker von 14 auf 6 Prozent und die alkoholbedingter Lebererkrankungen von 20 auf 10 Prozent. Das führt Studienleiter Professor Stefano Bellentani aus Carpi auf Aufklärungskampagnen in der Bevölkerung zurück.

Der Gastroenterologe warnte bei der IV. Falk Gastro-Konferenz in Freiburg allerdings davor, die Leberenzyme als Screening-Marker für Leberprobleme zu überschätzen. So fänden sich auch unter Menschen mit normalen Leberenzymen sonografisch viele mit nicht-alkoholbedingter Steatohepatitis.

"Zu viel Nahrung ist schlimmer als zu viel Alkohol"

Die leberschädigenden Wirkungen von Adipositas, häufigem Alkoholgenuss und anderen addieren sich. Normalgewichtige Menschen, die mehr als 60 g Alkohol pro Tag zu sich nehmen, haben seltener eine Fettleber als Adipöse ohne übermäßigen Alkoholabusus, adipöse Menschen wiederum seltener als Trinker, die zusätzlich fettleibig sind.

So hatten 95 Prozent der adipösen Alkoholiker eine Fettleber, aber nur knapp die Hälfte der normalgewichtigen Trinker. Bezogen auf die Leber scheine zu gelten: Zu viel Nahrung ist schlimmer als zu viel Alkohol, sagte Bellentani.

Diese Risikofaktoren-Kombination lässt eine einheitliche Schwellendosis, ab der der Alkoholgenuss gefährlich wird, fraglich erscheinen. Die Dosisabhängigkeit der Leberschädigungen ist zwar nachweisbar und eine Schwelle von 30 g / Tag (zwei bis drei Halblitergläser Bier, drei bis vier Gläser Wein) ließ sich definieren. Andererseits entwickeln lediglich etwa 20 Prozent der Menschen, die viel Alkohol trinken, eine Leberkrankheit.

Und: Wenn weitere leberschädigende Faktoren hinzukommen, kann man die Schwellendosis nicht mehr gelten lassen, weil dann viel häufiger Leberschäden beobachtet werden. Das gilt für die Adipositas, aber auch für Infektionen mit Hepatitis B und C.

Bei HCV-Patienten, die trinken, sei das Mortalitätsrisiko um das Achtfache erhöht im Vergleich zu nicht Infizierten, bei HBV-Patienten um das Vierfache, sagte Bellentani. Hinzu kommen offenbar eine genetische Empfindlichkeit für bestimmte Schäden aufgrund verschiedener Enzymausstattungen der Leber sowie weitere Risikofaktoren wie das Rauchen.

Bellentani zeigte eine Berechnung, wonach in der Studie null Risikofaktoren mit einer Mortalitätsrate von 0,22 Prozent pro Jahr einhergeht, bei zwei Risikofaktoren sind es bereits 1,1 Prozent der Durchschnittsbevölkerung, bei vier Risikofaktoren (chronische Hepatitis, mehr als 30 g Alkohol / Tag, Adipositas, Rauchen) 3,3 Prozent.

Fazit:
Die Fettleber und die nichtalkoholische Fettlebererkrankung werden künftig für Hepatologen eine zunehmende Bedeutung haben.

Die Prognose dieser Patienten ist abhängig von der Zahl der vorhandenen Risikofaktoren. Die chronische Lebererkrankung schreitet besonders bei vorhandener Virusinfektion und bei Alkoholabusus rasch voran.

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