Ärzte Zeitung, 09.02.2012

Damit der Po nicht zur Problemzone wird

"Ich habe da hinten ein Problem". Solch ein Satz ist typisch für Patienten, wenn sie auf Beschwerden an den Hämorrhoiden hinweisen. Fingerspitzengefühl im doppelten Sinn ist hier gefragt. Vor allem bei lästigem Juckreiz sind dann verschreibungsfreie Medikamente hilfreich.

Von Ruth Ney

Damit der Po nicht zur Problemzone wird

Schmerz beim Sitzen? Nicht immer sind es Hämorrhoiden.

© BSIP/Yout_Photo_Today

Das Hämorrhoidalleiden ist eine der häufigsten Erkrankungen in den Industrienationen und zugleich ein Leiden, über das sehr wenig gesprochen wird. Daher gibt es auch keine exakten Zahlen zur Inzidenz. Experten schätzen jedoch, dass fast 70 Prozent der Erwachsenen im Lauf ihres Lebens davon betroffen sind.

"Die ersten Beschwerden sind Jucken, Nässen und Brennen sowie ein Fremdkörpergefühl am Anus und das Nachschmieren von Stuhl. Das tolerieren aber viele Patienten noch", erläutert Dr. Hannelore Held-Sporleder. Schmerzen träten meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf.

"Sobald aber im Stuhlgang oder beim Abwischen auf dem Toilettenpapier Blut auftaucht, sind die meisten Betroffenen inzwischen doch so sensibilisiert, dass sie einen Arzt aufsuchen", berichtet die Proktologin aus Kronshagen im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Zur Diagnosesicherung gehören dann stets Anamnese, klinische Untersuchung und eine Proktoskopie - am besten bei einem Facharzt. Erst dann könne über die richtige Therapie entschieden werden. Held-Sporleder macht zusätzlich bei jedem Patienten auch eine Rektoskopie.

"So kann ich nicht nur die ersten zehn Zentimeter erfassen, sondern weitere fünf Zentimeter. Das kann entscheidend sein. Denn möglicherweise sind nicht die Hämorrhoiden das eigentliche Problem, sondern der Hauptherd sitzt höher, etwa ein Analkarzinom."

Auch kleine Hämorrhoiden können Ärger machen

Ist gesichert, dass die Hämorrhoiden Ursprung der Beschwerden sind und nicht eine Analfissur, Analthrombose oder Marisken, die zum Teil ähnliche Beschwerden hervorrufen, richtet Held-Sporleder ihre Therapie vor allem an den Beschwerden aus. "Es gibt Patienten, die haben sehr große Hämorrhoiden, ohne dass diese Beschwerden machen. Andere haben fast normale Hämorrhoiden, aber dennoch große Probleme", so ihre Erfahrung.

Hilfreich gerade bei Jucken und Nässen seien dann rezeptfrei erhältliche Pflegesalben mit Panthenol, Zink/Lebertran oder Extrakten der Zaubernuss (Hamamelis virginiana). Die Inhaltsstoffe fördern die Wundheilung, wirken adstringierend und entzündungshemmend und können Flüssigkeit bei nässenden Dermatosen binden (Zink).

Auch basisches Bismutgallat und der Gerbstoff Tannin wirken adstringierend. Viele Patienten schätzen es, wenn entsprechende Präparate auf einem Grünen Rezept verordnet werden.

Ein wichtiger Tipp für die Patienten ist dabei: Bei Salben mit einem Applikationsrohr sollte das Röhrchen zunächst ohne Druck auf die Tube eingeführt werden. Erst beim Herausziehen wird sanft auf die Tube gedrückt, um so einen kontinuierlichen Salbenstrang im Analkanal zu erzeugen.

Einige Applikatoren haben inzwischen auch seitliche Öffnungen um eine gleichmäßige Salbenverteilung zu erleichtern. Hilfreich für unterwegs, sind zudem Einmaltuben.

Bei Zäpfchen ist die richtige Applikation wichtig

Werden Suppositorien verordnet, sollten Patienten darauf hingewiesen werden, diese nur so weit einzuführen, dass das Ende noch mit den Fingerkuppen tastbar ist. So wirken sie auch tatsächlich an den Hämorrhoiden. Hämotamps (Zäpfchen mit Mulleinlage) erleichtern die Fixierung im richtigen Bereich.

Präparate mit Lokalanästhetika wie Lidocain sind wiederum nötig, wenn sich vergrößerte Hämorrhoidalknoten nach außen stülpen und Schmerzen verursachen. Ansonsten seien solche Präparate eher bei Analfissuren, die extrem schmerzhaft sein können, indiziert, so die Proktologin.

Die Verordnung kortisonhaltiger Zubereitungen ist nach ihrer Auffassung nur in Ausnahmefällen nötig, etwa bei Patienten mit Psoriasis.

Bei anhaltenden Beschwerden im Stadium 1 und 2 ist auch eine Sklerosierung eine therapeutische Option. Bei Rezidiven und Hämorrhoiden bis maximal 3. Grades kommt eine Ligatur infrage, bei der der Gewebeknoten abgeschnürt wird.

Hilft das alles nichts und sind die Schwellkörper inzwischen so groß, dass sie gar nicht mehr zurückgehen und der Patient ständig starke Beschwerden hat, kann eine operative Entfernung der Hämorrhoidalknoten helfen. "Aber das ist inzwischen eher selten nötig, da sich doch immer mehr Patienten frühzeitig in ärztliche Therapie begeben", so Held-Sporleder.

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