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Reflux und Obstipation

Weniger ist bei Schwangeren mehr

Reflux und Obstipation sind bei Schwangeren häufig, die Therapie allerdings schwierig. Denn die Datenlage für die typischen Arzneien ist für Schwangere eher dünn.

Von Beate Fessler Veröffentlicht:
Möglichst keine übermäßige Gewichtszunahme - ein Tipp gegen Refluxbeschwerden bei Schwangeren.

Möglichst keine übermäßige Gewichtszunahme - ein Tipp gegen Refluxbeschwerden bei Schwangeren.

© LanaK/fotolia.com

HAMBURG. Hohe Progesteronkonzentrationen in der Schwangerschaft senken den Tonus des unteren Ösophagussphinkters sowie die Motilität von Speiseröhre, Dünn- und Dickdarm. Sodbrennen und Obstipation sind programmiert.

Immerhin 40 bis 80 Prozent aller werdenden Mütter klagen im Verlauf der Schwangerschaft über Reflux und Sodbrennen. Dabei handelt es sich um sauren, nicht um biliären Reflux, wie die 24h-pH-Metrie zeigt.

Die Symptome nehmen mit dem Wachstum des Feten vom ersten bis zum dritten Trimenon kontinuierlich zu, um nach der Entbindung wieder zu verschwinden.

Allerdings haben Frauen mit Reflux während der Schwangerschaft ein hohes Risiko, dass die Beschwerden in der nächsten Schwangerschaft erneut auftreten.

Allgemeinmaßnahmen haben Prio 1

Bei der Bekämpfung von Reflux und Sodbrennen stehen Allgemeinmaßnahmen im Vordergrund. Darauf hat Professor Romuald Joachim Adamek aus Düsseldorf beim Kongress "Viszeralmedizin 2012" hingewiesen.

Die medikamentöse Therapie bei Reflux sollte bei Schwangeren gut überlegt werden. Phase-III-Studien existieren ebenso wenig wie eine explizite Zulassung für Schwangere.

Die Datenlage ist dünn und stützt sich im Wesentlichen auf Erfahrungen und Einzelfallberichte. Entsprechend wird eine strenge Indikationsstellung empfohlen; darüber muss die Patientin aufgeklärt werden.

Bisher gibt es keinen Anhalt für ein teratogenes Risiko bei der Anwendung von Antacida im ersten Trimenon. Im 2. und 3. Trimenon wird gelegentlich diskutiert , dass aus Antacida resorbiertes Aluminium ZNS und Niere des Feten schädigen könnte.

Dafür haben sich klinisch aber bisher keine Hinweise ergeben. Bei Antacida sind laut Adamek Magnesium-haltige Präparate zu bevorzugen.

Für die H2-Blocker Ranitidin und Cimetidin werden keine unerwünschten Effekte auf den Feten im ersten bis dritten Trimenon berichtet. In einer Fall-Kontroll-Studie wurden die PPI Omeprazol, Pantoprazol und Lansoprazol bei Schwangeren im ersten Trimenon untersucht.

Dabei ergab sich keine signifikant erhöhte Teratogenität. "Antazida, H2-Blocker und PPI sind bei Sodbrennen vermutlich grundsätzlich möglich", fasste Adamek zusammen.

Laxanziengabe sorgfältig abwägen

Eine Obstipation ist für das Kind ungefährlich, kann aber für die Mutter sehr unangenehm werden, mit Bauchschmerzen, Blähungen, Behinderung des Harnabflusses, Hämorrhoiden und Analfissuren.

Auch hier stehen Lifestyle-Modifikationen an erster Stelle. Ballaststoffreiche Ernährung sowie der Genuss von Pflaumen und Joghurt können ebenso Abhilfe schaffen wie regelmäßige Bewegung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Laxanzien empfahl Adamek nur bei schwerer Obstipation, wenn Allgemeinmaßnahmen nicht greifen und nur nach sorgfältigster Abwägung zwischen Nutzen und Risiko. Dann ist aus seiner Sicht Lactulose das Mittel der ersten Wahl.

Der Erfahrungsumfang ist "mittel". Das bedeutet konkret: Für das erste Trimenon liegen keine Studien zur Anwendung von Lactulose vor. Für das zweite und dritte Trimenon sprechen Beobachtungen gegen ein fetotoxisches Risiko.

Ähnlich sind die Daten für Macrogol, einer Alternative zu Lactulose, bei jedoch nur geringem Erfahrungsumfang. Bisacodyl kommt in Betracht, wenn eine Obstipation medikamentös behandelt werden muss und weder Füll- bzw. Quellstoffe, noch Lactulose noch Macrogol ausreichend wirken. Auch dann sollte es nur kurzfristig zum Zug kommen.

Adameks Fazit: Am besten ist es, keine Medikamente einzunehmen und auf Allgemeinmaßnahmen zu setzen.

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