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Pankreas

Keine Hektik bei kleinen Zysten

Auch wenn die Sorge vor einem übersehenen Pankreas-Karzinom immer mitschwingt: Bei blanden, zufällig entdeckten Pankreaszysten kleiner als zwei Zentimeter kann man sich entspannen. MRT-Kontrollen alle zwei Jahre reichen.

Veröffentlicht:
Zufallsbefund Pankreaszyste im Ultraschall (hier: eine benigne kongenitale Zyste, Durchmesser unter 2 cm).

Zufallsbefund Pankreaszyste im Ultraschall (hier: eine benigne kongenitale Zyste, Durchmesser unter 2 cm).

© Albertinen-Krankenhaus Hamburg, www.sonographiebilder.de

MONTPELLIER. Was tun bei zufällig entdeckten, asymptomatischen Pankreaszysten? Jeder Arzt wird bei solchen Befunden zumindest im Hinterkopf auch die Differenzialdiagnose Pankreaskarzinom haben.

Wie aufwändig soll also weiter diagnostiziert, wie häufig kontrolliert werden? Zumindest bei blanden Zysten, die kleiner als 2 cm im Durchmesser sind, kann man offenbar zunächst Ruhe bewahren.

Pankreaskarzinome gehören nach wie vor zu den malignen Tumoren mit sehr ungünstiger Prognose, da will niemand die Chance auf eine frühe Diagnose verpassen. Aber eine Überdiagnostik aus Unsicherheit kann auch nicht das Ziel sein.

Zudem gibt es aufgrund immer weiter verbesserter bildgebender Verfahren wie hochauflösendem Ultraschall zunehmend Zufallsbefunde, deren Krankheitswert mitunter unklar bleibt.

Aus diesem Grund haben Radiologen aus zwei Zentren in Frankreich und Kanada in einer Studie untersucht, wie sich solche zufällig entdeckten blanden Pankreaszysten im Verlauf entwickeln (Eur Radiol 2014; 24:1030-1038).

Beobachtung über 45 Monate

301 Patienten, 144 Männer und 157 Frauen wurden in die Studie aufgenommen. Die Patienten waren im Mittel 64 Jahre alt. Bei ihnen waren insgesamt 1174 Zysten zufällig bei CT- oder MRT-Untersuchungen entdeckt worden, bei denen es primär nicht ums Pankreas ging.

Ausgeschlossen aus der Studie wurden Patienten mit chronischer Pankreatitis, Patienten mit Zysten, bei denen initial der Verdacht auf ein Pankreasmalignom bestand.

Patienten, die zuvor noch kein MRT hatten, erhielten als Ausgangsuntersuchung ein standardisiertes MRT ohne und mit Gadolinium als Kontrastmittel. In den Follow-up-Untersuchungen erhielten alle Patienten Standard-MRT ohne und mit Kontrastmittel.

Die Beobachtungsdauer in der Studie war im Mittel 45 Monate (14 bis 180 Monate). Follow-up-MRT wurden in der Regel jährlich gemacht. Alle MRT wurden auch von den Ärzten des jeweils anderen teilnehmenden Zentrums begutachtet, und zwar ohne die Erstbefundung zu kennen.

Geprüft wurden unter anderen Größenzunahme im Follow-up, Veränderungen der Wand (Verdickung?), Zysteninhalt (mucinös? hämorrhagisch?) und eventueller solide Anteile im angrenzenden Pankreasgewebe.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

- Keine der 217 Zysten mit einem Durchmesser unter 2 cm veränderte sich im ersten Follow-up-Jahr; nur zwei Zysten hatten sich nach zwei Jahren verändert.

- Nur 35 Zysten (drei Prozent) bei 35 Patienten (zwölf Prozent) zeigten signifikante Änderungen im Verlauf, etwa signifikante Größenzunahme oder Konsistenzveränderungen.

- Keine der Zysten, die nur durch Größenzunahme auffielen, entwickelten ein Karzinom:

- Bei fünf Zysten, bei denen im Follow-up neue knotige Veränderungen in der Zystenwand auffielen, wurde ein Malignom histopathologisch diagnostiziert. Zu diesem Zeitpunkt hatte zwei der betroffenen Patienten bereits Symptome.

- MRT mit Gadolinium brachte keine diagnostischen Vorteile.

Keine Leitlinien-Empfehlung in Deutschland

Daraus folgern die Studienautoren, dass bei zufällig mit CT oder MRT entdeckten blanden Pankreaszysten mit einem Zystendurchmesser unter 2 cm in der MRT eine Kontroll-MRT ohne Kontrastmittel nach zwei Jahren ausreicht.

Entsprechend könnte man für die Praxis daraus ableiten, dass zufällig mittels Ultraschall entdeckte blande Pankreaszysten einmal mittels MRT beurteilt werden und dann unter anderem entsprechend ihrer Größe eben nur alle zwei Jahre erneut in der MRT kontrolliert werden.

In Deutschland gibt es keine Leitlinien-Empfehlungen zur Verlaufbeobachtung bei blanden, zufällig gefundenen Pankreaszysten. In den USA gibt es zwei konträre Leitlinien-Empfehlungen.

Die US-amerikanische Radiologengesellschaft ACR (American College of Radiologie) empfiehlt keine weiteren Kontrollen bei Zysten kleiner 2 cm im Durchmesser sind und ein Jahr nach ihrer Entdeckung unverändert sind.

Dagegen empfiehlt die International Association of Pancreatology (IAP) auch solche kleinen stabilen Zysten regelmäßig immer wieder zu kontrollieren. (gwa)

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