Ärzte Zeitung, 26.08.2016

Weizensensitivität:

Diagnostik über's Blut?

Die Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität ist bislang eine Ausschlussdiagnose. Jetzt gibt es erste Hinweise, dass die Störung zu messbaren Veränderungen der Immunaktivität führen kann.

NEW YORK.Nach dem Konsum weizenhaltiger Lebensmitteln kommt es zu Zöliakie-ähnlichen Beschwerden, vor allem Blähungen, Bauchschmerzen und Diarrhö - aber die Patienten haben weder eine Zöliakie (keine Transglutaminase-Antikörper, keine Zottenatrophie) noch eine Weizenallergie (kein spezifisches IgE). Was genau bei der sogenannten Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität, kurz Weizensensitivität, passiert, ist noch unverstanden. Vermutet wird, dass die mit glutenhaltigen Produkten assoziierten Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI) zu einer Aktivierung des angeborenen Immunsystems führen.

Eine aktuelle Studie der Columbia University in New York deutet ebenfalls auf eine vermehrte Immunaktivität bei Patienten mit Weizensensitivität hin, allerdings in Zusammenhang mit einer geschädigten Darmepithelbarriere und dem Übertritt von Mikroben aus dem Lumen in den Blutkreislauf.

Wie weit solche Prozesse an der Entstehung der Weizensensitivität beteiligt sind, ist offen. Die New Yorker Ärzte um Melanie Uhde hoffen aber, dass Immunmarker wie die von ihnen gefundenen irgendwann die Diagnose der Erkrankung erleichtern können.

In der Untersuchung wurden Blutproben von 80 Patienten mit Weizensensitivität und ohne Diätbeschränkungen mit denen von 40 Zöliakiepatienten und 40 Gesunden verglichen. Erwartungsgemäß war bei Weizensensitivität im Gegensatz zur Zöliakie kein Anstieg von Transglutaminase-Antikörpern festzustellen.

 Im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen hatten die Patienten mit Weizensensitivität jedoch signifikant höhere Spiegel von löslichem CD14 (sCD14) und Lipopolysaccharid-bindendem Protein (LBP), beides Komponenten des angeborenen Immunsystems.

Auch die Antikörpertiter gegen die bakteriellen Bestandteile LPS-Core-Oligosaccharid (EndoC) und Flagellin waren nur bei ihnen signifikant erhöht (Gut 2016, online 25. Juli). Das Team um Uhde interpretiert das so, dass mikrobielle Produkte, vor allem LPS, bei Weizensensitivität die Epithelbarriere überwinden und eine systemische Immunantwort auslösen können.

Einen weiteren Hinweis für eine Schädigung des Darmepithels ergab die Messung des Fettsäurebindungsproteins 2 (FABP2). Die Serumkonzentrationen des Proteins, das spezifisch im Zytoplasma von Darmepithelzellen vorkommt und nach einem Zellschaden schnell in den Blutkreislauf freigesetzt wird, waren bei Patienten mit Weizensensitivität, aber auch mit Zöliakie signifikant erhöht.

Dass die genannten Marker tatsächlich mit der Weizensensitivität in Zusammenhang stehen, konnte in der Studie auch durch eine Auslassdiät bestätigt werden. 20 Patienten, die sechs Monate lang auf Weizen, Roggen und Gerste verzichteten, berichteten über eine signifikante Besserung ihrer Symptome. Gleichzeitig war ein signifikanter Rückgang der Serumspiegel von sCD14, LBP, EndoCAb-IgM, Anti-Flagellin-IgM- und IgG-Antikörpern sowie FABP2 festzustellen. (bs)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »