Blinddarm

Sonografie gut im Ausschluss eines perforierten Appendix

Eine Sonografie ist zwar hochspezifisch beim Nachweis einer perforierten Appendix bei Kindern mit Blinddarmentzündung, aber nicht ausreichend sensitiv.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:

HOUSTON. Bisherige Studien zur Sonografie bei Verdacht auf eine Appendizitis bei Kindern waren nur retrospektiv und klein. Deshalb haben Radiologen und Chirurgen um Dr. Jennifer L. Carpenter vom Texas Children's Hospital im U.S.-Bundesstaat Houston eine prospektive Kohortenstudie gemacht, in die alle an der Klinik sonografisch untersuchten Verdachtsfälle zwischen Mitte 2013 und Mitte 2014 einbezogen wurden (Radiology 2017; 282: 835–41).

Die Ärzte verwendeten einen Risikoscore, in dem ein Wert von 1 für eine normale Appendix steht, 5a für eine Appendizitis, die nicht zu einer Perforation geführt hat, und 5b für einen perforierten Wurmfortsatz. Insgesamt 577 Kinder entsprachen den Einschlusskriterien. Eine Appendizitis wurde bei 573 der 577 Kinder (99,3 Prozent) sonografisch korrekt identifiziert. Wie die Ärzte berichten, war bei 468 Kindern dem Ergebnis der Ultraschalluntersuchung zufolge die entzündete Appendix nicht perforiert, bei 109 dagegen perforiert.

Die chirurgische Diagnose als Referenz ergab ein anderes Bild. Carpenter und ihre Kollegen entdeckten bei 182 Kindern einen perforierten Blinddarm (32,5 Prozent), bei 395 Kindern (68,5 Prozent) war die Appendix nicht perforiert. Falsch positiv war das Ergebnis der sonografischen Untersuchung bei vier von 577 Kindern (0,7 Prozent). Die Falsch-positiv-Rate beim Nachweis einer nicht perforierten Appendix betrug 0,4 Prozent (zwei von 468 Kindern) und 1,8 Prozent (zwei von 109 Kindern) beim Nachweis eines perforierten Blinddarms.

Aus den Daten geht hervor, dass die Sensitivität der Sonografie bei Nachweis einer Perforation in dieser Studie bei 44 Prozent liegt (richtig positiv bei 80 von 182 Patienten), die Spezifität bei 93,1 Prozent (richtig negativ bei 364 von 391 Patienten). Damit ergibt sich ein positiver prädiktiver Wert von 74,8 Prozent und ein negativer prädiktiver Wert von 78,1 Prozent, wie die Ärzte berichten.

Schließlich wurden in der Studie mehrere Faktoren ermittelt, die signifikant mit einer Appendixperforation assoziiert waren. So war das Risiko dafür verdoppelt, wenn sonografisch eine periappendikale Flüssigkeitsansammlung (simple) nachweisbar war (Odds Ratio [OR]: 2,08). Mit einem deutlich höheren Risiko war der Nachweis einer detritusenthaltenden Flüssigkeit um die Appendix (complex) assoziiert (OR: 18,5).

Als weitere Risikofaktoren ermittelten die Ärzte die verlängerte Symptomdauer (OR: 1,46), die Zunahme des maximalen Appendixdurchmessers (OR: 1,29), ein flüssigkeitsgefülltes Lumen (OR: 0,34) sowie einen Appendikolithen (OR: 1,67). Auf diese Faktoren solle besonders geachtet werden, wenn eine nicht chirurgische Intervention in Betracht gezogen werde, so Carpenter und ihre Kollegen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Gemeinsamer Bundesausschuss

Zusatznutzen für mehrere Orphan Drugs

Noch lange kein Standard

Darmkrebs: Wie steht es um die ctDNA zur Therapieentscheidung?

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
MRT-Bildgebung und Monitoring

© wedmoments.stock / stock.adobe.com

Plexiforme Neurofibrome bei Neurofibromatose Typ 1

MRT-Bildgebung und Monitoring

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Junge mit Druckverband um den Kopf

© Simon Coste / stock.adobe.com

Wohl mehr Schaden als Nutzen

Kopfverband nach Mittelohr-Operation: Braucht es das wirklich?

Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist