Ärzte Zeitung, 31.10.2005

Bei Colitis gibt’s oft Durchfall, bei Crohn Schmerzen

Tips zur Differentialdiagnostik bei entzündetem Darm / Viele Patienten sind durch die Diagnose zuerst verunsichert

POTSDAM (sko). Diarrhoe, Schmerzen, blutiger Stuhl - nur anhand solcher Symptome sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nicht immer sicher zu unterscheiden. Dr. Stefan Müßig, Internist aus Berlin-Schöneberg, gibt Hilfestellung: Bei der Colitis ulcerosa sind Durchfälle das Leitsymptom, Patienten mit Morbus Crohn klagen dagegen meist eher über Schmerzen.

"Bei Patienten mit Colitis ulcerosa kann man meist allein durch Erfragen der Häufigkeit der Durchfälle auf den Schweregrad der Erkrankung schließen", sagte Müßig beim Hausärztetag in Potsdam.

Patienten mit voluminösen, blutigen Durchfällen auch nachts hätten meist eine ausgedehnte Colitis ulcerosa. Bei einer im Verhältnis dazu leichteren linksseitigen Kolitis bestehe hingegen meist nur ein ständiger, imperativer Stuhldrang, der aber für die Patienten sehr belastend sei.

    Voluminöse, blutige Durchfälle sind Zeichen für schwere Colitis.
   

Beim Morbus Crohn klagen die Patienten in der Praxis im Gegensatz dazu häufiger über Bauchschmerzen. Als weiteres Kriterium nannte Müßig hier auch den Gewichtsverlust, der allerdings nicht immer vorliegt: Auch adipöse Menschen mit typischen Beschwerden könnten durchaus einen Morbus Crohn haben, sagte er bei der vom Unternehmen Merckle Recordati organisierten Veranstaltung.

Der Berliner Internist warnte außerdem davor, leichtfertig die Diagnose zu stellen. Solange die Diagnose sich nicht im Verlauf der Erkrankung bestätigt habe, sei das Vorliegen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung lediglich eine Arbeitshypothese.

Dementsprechend riet der Internist zur Vorsicht, "bevor man einem Patienten den Stempel einer chronischen Erkrankung aufdrückt." Auf den Begriff "chronisch" reagierten die Patienten, zumeist ja junge Leute, stark verunsichert.

"Diesen Patienten muß man vermitteln, daß sie durch die Krankheit zwar immer wieder Probleme haben werden, daß sie aber ein normales Leben mit Beruf und Familie führen können", betonte Müßig.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »