Ärzte Zeitung, 16.04.2007

Rektalschäume punkten bei distaler Kolitis

WIESBADEN (mal). Bei Patienten mit Colitis ulcerosa (CU), deren Erkrankung auf Rektum oder auf Rektum plus Sigma begrenzt ist, ist die rektale Therapie die Therapie der Wahl. Schäume und Klysmen eines Wirkstoffs sind dabei ähnlich effektiv. Die Betroffenen ziehen aber Schäume - besonders kleinvolumige - den Klysmen vor.

Ein geringeres unangenehmes Druckgefühl bei der Applikation und die Möglichkeit, die Arznei besser halten zu können - das sind für Professor Volker Groß vom Klinikum St. Marien in Amberg die wesentlichen Punkte, weshalb Schaum-Zubereitungen den Klysmen bevorzugt werden. In einer Studie bei 449 Patienten mit Proctosigmoiditis ulcerosa hätten 84 Prozent einen Budesonid-Schaum bevorzugt, nur sechs Prozent Budesonid-Klysmen.

Das berichtete Groß bei einer Veranstaltung der Falk Foundation im Vorfeld des Internisten-Kongresses in Wiesbaden. Zehn Prozent der Studienteilnehmer hatten keine Präferenz angegeben. Besonders akzeptiert würden nach Studiendaten zu 5-ASA-Zubereitungen kleinvolumige Rektalschäume, so Groß. Jetzt neu eingeführte kleinvolumige Rektalschäume sind Salofalk® 1 g Rektalschaum (1g 5-ASA/30 ml) und Budenofalk® Rektalschaum (2 mg Budesonid/20 ml).

50 bis 60 Prozent der CU-Patienten haben nach Angaben von Groß eine Proktitis oder Proktosigmoiditis, 20 bis 30 Prozent eine linksseitige Kolitis und 15 bis 20 Prozent eine subtotale oder totale Kolitis. Bei Proktitis schätzen viele Patienten Zäpfchen, bei Proktosigmoiditis sind Klysmen oder Schaum geeignet.

Dabei sei bei distaler CU rektales 5-ASA (Mesalazin) als Einzelsubstanz am besten wirksam, erinnerte Groß. Nach einer Metaanalyse von 33 Studien ließ sich mit 5-ASA bei 53 Prozent der Patienten eine klinische Remission erzielen, mit Budesonid bei 46 Prozent (Placebo: neun Prozent). Rektal appliziertes Budesonid wirke rascher als rektal angewandtes Hydrocortisonacetat, so Groß. Vermutlich sei bei distaler CU die Kombination von 5-ASA plus Steroid wirksamer als eine Monotherapie mit einem der beiden Wirkstoffe.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBV drücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »