Ärzte Zeitung, 28.09.2007

RISIKOPATIENTEN

Ja zu jährlichem Check für Risikopatienten mit CU

Leitlinien-Empfehlungen zur Darmkrebs-Vorsorge bei Colitis ulcerosa werden oft nicht eingehalten

Verglichen mit der Allgemeinbevölkerung haben Patienten mit Colitis ulcerosa (CU) - anders als Patienten mit Morbus Crohn - ein deutlich erhöhtes Darmkrebs-Risiko. Deshalb werden in Leitlinien bei CU Kontrollendoskopien zur Krebsfrüherkennung empfohlen. Doch noch läuft nicht alles, wie es empfohlen wird.

CU-Risikopatienten wird zu jährlichen Endoskopien geraten. Dabei sollten nach Leitlinien-Empfehlung 40 bis 50 Biopsien entnommen werden, um Krebs früh zu finden.

CU-Patienten mit Befall des überwiegenden oder gesamten Dickdarms haben ab dem achten bis zehnten Krankheitsjahr im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes Darmkrebs-Risiko. Bei Befall bis zur linken Flexur steigt das Risiko nach 15 Jahren Krankheit. Nach zehnjähriger Krankheit haben etwa 2 Prozent der CU-Patienten Darmkrebs, nach 20 Jahren 9 Prozent, nach 45 Jahren 30 Prozent. Daher sollen Risikopatienten alle ein bis zwei Jahre koloskopiert werden. Und dabei sollen insgesamt 40 bis 50 Biopsien aus allen Darmabschnitten entnommen werden, so die Leitlinien-Empfehlungen.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus, wie eine Umfrage der DCCV unter CU-Risikopatienten ergab, die in der Vereinigung organisiert sind (Z Gastroenterol 45, 2007, 325). Das liegt an mangelnder Compliance, aber auch an den Untersuchern.

Immerhin: Jeder zweite CU-Patient hatte einmal pro Jahr eine Koloskopie. Wurde nicht untersucht, lag es an mangelnder Compliance. Der häufigste Grund: Die Betroffenen empfanden die Darmreinigung als belastend.

Wurde endoskopiert, lief aber auch nicht alles leitliniengemäß: Nur bei neun Prozent der Untersuchten wurde mehr als 40-mal biopsiert. Dabei gab es keine signifikanten Unterschiede, ob die Koloskopien bei niedergelassenen Gastroenterologen oder ambulant in Kliniken vorgenommen wurden.

Die Umfrage-Arbeitsgruppe um die stellvertretende Vorsitzende der DCCV Birgit Kaltz fragt sich, ob etwa Ärzte nicht von der Validität der Leitlinien überzeugt sind. Unstrittig sei, dass die derzeitige Vergütung nicht dem Zeitaufwand bei einer Leitlinien-gerechten Untersuchung angemessen sei.

Auch etwa der Gastroenterologe Professor Axel Dignaß vom Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main wies auf den erheblichen Zeitaufwand hin. 30 bis 40 Minuten dauere eine Koloskopie mindestens, wenn 40 bis 50 Biopsien entnommen würden, so Dignaß zur "Ärzte Zeitung". Trotz des großen Aufwandes sei jedoch die Sicherheit, früh Entartungen zu entdecken, begrenzt. Wenn man Miniveränderungen nicht sehen könne, könne man sie auch nicht gezielt per Biopsie erfassen.

Der Gastroenterologe plädiert dennoch für Koloskopien alle ein bis zwei Jahre bei Risikopatienten. "Bringt man die Patienten zu regelmäßigen Untersuchungen, hat man die Chance, Darmkrebs im Frühstadium zu erkennen."

So kam die DCCV an die Daten: Die Vereinigung verteilte mit ihrem Mitgliedsjournal "Bauchredner" einen Fragebogen an die etwa 6700 CU-Patienten, die DCCV-Mitglieder sind. Etwa 3025 von ihnen (45 Prozent) sind Risikopatienten. Für die Studie wurden die Antworten von Risikopatienten ausgewertet. Das waren 297 von 345 Patienten, die geantwortet hatten. (gwa)

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