Ärzte Zeitung, 14.01.2008

Kindern mit M. Crohn hilft Frühtherapie

Mit TNFα-Hemmer holen die Kinder beim Längenwachstum signifikant auf / Krankheitsaktivität geht zurück

FREISING (wst). Kinder mit Morbus Crohn haben oft eine deutliche Wachstumsverzögerung und eine zu spät einsetzende Pubertät mit potenziell dauerhaften Stigmatisierungen. Auch um dem entgegen zu wirken und bestehende Reifungsdefizite bestmöglich aufzuholen, ist eine frühzeitige, effektive Therapie so wichtig.

Bei der Wachstumsretardierung von jungen Crohn-Patienten wirken mehrere Ursachen zusammen. Denn Morbus Crohn ist aufgrund enteraler Blut-, Eiweiß-, Schleim- und Mineralienverluste eine erheblich konsumierende Erkrankung.

Daran erinnerte Professor Michael Radke vom Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam bei einem Expertentreffen in Freising. Verschärft wird die Negativbilanz durch Resorptionsstörungen, sagte Radke auf der vom Unternehmen essex pharma ausgerichteten Veranstaltung.

Eine weitere Ursache ist eine reduzierte Nahrungszufuhr. Das liege zum einen an der Angst vor Symptomen. Andererseits sei dies die Folge eines krankheitsbedingten Mangels an appetitanregenden Peptiden. Und inflammatorische Zytokine wie TNFαα hemmen zusätzlich den Knochenaufbau.

Zudem blockieren orale Kortikosteroide endogene Wachstumsfaktoren sowie den Knochenaufbau und tragen so zu Wachstumsstörungen bei. Orale Steroide sollten deshalb bei Kindern mit Morbus Crohn zurückhaltend eingesetzt werden, empfahl Radke.

Außer einer Ernährungstherapie mit mehrwöchiger Sonden- und Trinknahrung sollte eher verstärkt auf Immunsuppressiva gesetzt werden, vor allem auf ausreichend hoch dosiertes Azathioprin - 2 bis 3 mg pro kg Körpergewicht täglich -, sagte Radke. Je früher damit begonnen werde, desto sicherer erreichten Kinder mit Morbus Crohn auch ihre genetisch angelegte Größe.

Sprechen die jungen Patienten auf eine konventionelle Therapie nicht zufriedenstellend an, oder wird diese nicht vertragen, plädiert Radke für den Einsatz des TNFαα-Hemmers Infliximab (Remicade®). Der Antikörper ist für diese Indikation inzwischen ab dem sechsten Lebensjahr zugelassen. Die Therapie sollte möglichst noch vor der Pubertät beginnen.

Denn in der Studie REACH× bei konventionell unzureichend behandelbaren Crohn-Patienten im Alter von sechs bis 17 Jahren konnte für eine Infliximab-Therapie nicht nur ein deutlicher Rückgang der Krankheitsaktivität belegt werden. Bei Kindern mit Wachstumsverzögerung wurde auch ein signifikant aufgeholtes Längenwachstum nachgewiesen.

× REACH: Randomized Multicenter Open-label Study to Evaluate the Safety and Efficacy of Anti-TNF alpha Chimeric Monoclonal Antibody Remicade® in Pediatric Subjects with Moderate to Severe Crohn‘s Disease

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