Ärzte Zeitung, 29.04.2009

Infliximab punktet bei Crohn-Kranken nach Op

Operierte Patienten mit Morbus Crohn scheinen deutlich weniger endoskopische Rezidive zu haben, wenn sie mit Infliximab behandelt werden. Darauf deuten die Ergebnisse einer aktuellen Studie.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Infliximab punktet bei Crohn-Kranken nach Op

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind bei Patienten mit Morbus Crohn unverzichtbar.

Foto: Klaro

In einer Pilotstudie hatte nur einer von elf Patienten nach einem Jahr ein endoskopisches Rezidiv. Und rund 80 Prozent der mit Infliximab therapierten Patienten hatten sogar überhaupt keine endoskopischen Läsionen, also auch keine histologischen. "Das ist zwar nur eine kleine Studie mit 24 Patienten, aber ich denke schon, dass die Daten sensationell sind", sagte Professor Volker Groß vom St. Marien-Klinikum Amberg beim GastroUpdate 2009 in Berlin. In der 13 Patienten großen Placebo-Gruppe hatten elf Patienten ein Jahr nach der Op ein endoskopisches Rezidiv, also rund 85 Prozent.

Das Resultat sei auch vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass die Standardsubstanz Azathioprin nicht annähernd so hohe Remissionsquoten erreiche, so Groß. In einer belgischen Studie wurde das erst kürzlich bei 61 operierten Morbus-Crohn-Patienten untersucht. Diese Patienten erhielten entweder Placebo oder Azathioprin in körpergewichtsadaptierter Dosis über ein Jahr. Primärer Endpunkt waren auch hier die endoskopischen Rezidive.

Es zeigte sich zwar, dass Azathioprin der Placebo-Therapie hinsichtlich des Rezidivschutzes überlegen war. "Der Effekt war allerdings nicht so berauschend", betonte Groß. Ein endoskopisches Rezidiv fand sich bei 69 Prozent der Patienten mit Placebo. Mit Azathioprin war das immerhin noch bei 43,7 Prozent der Fall.

Nur einer von elf Patienten hatte nach einem Jahr ein Rezidiv.

Nur 22 Prozent der Patienten in der Azathioprin-Gruppe hatten weder endoskopische noch histologische Läsionen, also rund drei Viertel weniger als in der kleinen Studie mit Infliximab. "Wir brauchen jetzt dringend größere Studien, um diesen wichtigen Befund zu bestätigen", so der Amberger Gastroenterologe.

Derzeit sprechen die gerade aktualisierten Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen keine generelle Empfehlung für eine remissionserhaltende Therapie nach einer Crohn-Operation aus. Mesalazin habe eine gewisse Wirkung und könne in dieser Situation eingesetzt werden, so die Leitlinie. Bei Patienten mit komplexem Verlauf des Morbus Crohn sollte, so der Stand heute, Azathioprin in Erwägung gezogen werden.

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