Ärzte Zeitung, 24.06.2009

Crohn/Colitis-Arzneien trotz Schwangerschaft!

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind kein Argument gegen eine Schwangerschaft. Wichtig ist eine adäquate Schubprophylaxe, um das Risiko von Früh- und Fehlgeburten zu senken.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Das Risiko für Fehlbildungen ist bei Kindern von CED-Patientinnen nicht erhöht.

Foto: Monkey Business©www.fotolia.de

"Die gute Nachricht ist, dass Patientinnen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) in der Schwangerschaft kein erhöhtes Komplikationsrisiko haben, wenn sie in Remission sind", betonte Professor Axel Dignaß von der Medizinischen Klinik I am Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main. Kommt es allerdings während der Schwangerschaft zu Schüben, sind schwangerschaftsassoziierte Probleme häufiger.

Basismedikation zum Remissionserhalt

"Das Risiko von Fehlbildungen ist bei Schüben nicht erhöht, aber es kommt doch vermehrt zu Früh- und Fehlgeburten", sagte Dignaß. Beim 14. Merckle Recordati-Symposium zur "Zukunft der Gastroenterologie" in Berlin empfahl er deswegen, Schwangerschaften - wenn möglich - in einer Remissionsphase zu planen und das Thema Medikamente bereits im Vorfeld einer geplanten Schwangerschaft anzusprechen. Denn eine effektive medikamentöse Therapie kann Krankheitsschübe auch in der Schwangerschaft verhindern. "Generell gilt deswegen die Regel, Basismedikamente weiterzugeben, wenn sie für den Remissionserhalt erforderlich sind", so Dignaß.

Das Gute ist, dass die meisten Basismedikamente für CED-Patienten in der Schwangerschaft eingesetzt werden können: "Salazosulfapyridin, Mesalazin und Steroide machen keine Probleme", so Dignaß. Das Risiko für Fehlbildungen oder Fehlgeburten sei nicht erhöht. Auch bei Aza-thioprin und 6-Mercaptopurin sehen die Daten bisher überwiegend gut aus. "Es gibt keine Häufung von Fehlgeburten oder Malformationen bei Transplantationspatienten", betonte der Experte.

Schubprophylaxe senkt das Risiko für Frühgeburt.

Auch bei CED-Patienten scheint das so zu sein, doch sind hier die zur Verfügung stehenden Daten noch nicht so umfangreich. Gleiches gilt für die Immunsuppressiva Cyclosporin A und Tacrolimus sowie für die TNF-alfa-Blocker. Dignaß: "Bei den TNF-alfa-Blockern haben wir aus tierexperimentellen Daten keine Evidenz für Teratogenität. Und auch die bisher in Postmarketingstudien erhobenen Daten geben keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko." Klar erhöht ist das Risiko für Fehlgeburten und Fehlbildungen dagegen bei Methotrexat. Dieses Präparat ist deshalb während einer Schwangerschaft tabu.

Trotz der überwiegend günstigen Studiendaten sollten Medikamente in der Schwangerschaft natürlich generell zurückhaltend gegeben werden. Dignaß empfahl, Azathioprin, Cyclosporin A, Tacrolimus und Anti-TNF-Präparate dann abzusetzen, wenn sie für den Remissionserhalt nicht zwingend erforderlich scheinen. Eine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch sei die Behandlung mit diesen Präparaten aber in keinem Fall.

Mesalazin und Steroide bei Krankheitsschub

Kommt es während der Schwangerschaft zu einem Krankheitsschub, werden Mesalazin (zum Beispiel Claversal®) und Steroide wie üblich eingesetzt. Wichtig sei es bei solchen Patientinnen, wegen des ungünstigen Effekts der Schübe auf die Schwangerschaft nicht lange zu warten, sondern rasch zu behandeln, sagte der Frankfurter Experte.

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