Ärzte Zeitung online, 05.09.2013

Morbus Crohn

Weniger Darmkeime, die die Schleimhaut ernähren

Forscher haben einen Zusammenhang zwischen M. Crohn, Faecalibacterium prausnitzii und der Menge an Buttersäure im Stuhl entdeckt.

HERBORN. Bei Patienten mit Morbus Crohn sind Menge und Anteil schleimhauternährender Bakterien vermindert, teilt das Institut für Mikroökologie in Herborn mit.

Das Institut verweist auf eine polnische Studie, in der der Zusammenhang zwischen Morbus Crohn, Faecalibacterium prausnitzii und der Menge an Buttersäure im Stuhl untersucht wurde (Pol J Microbiol. 62(1): 91-95).

Faecalibacterium prausnitzii sei einer der wichtigsten Buttersäureproduzenten im menschlichen Darm und mache bei Gesunden mindestens 109 Zellen pro Gramm Stuhl und über 5 Prozent der bakteriellen Gesamtzellzahl aus, so das Institut in einer Mitteilung.

Die von der Darmflora gebildete Buttersäure und ihre Derivate stellten die Hauptenergiequelle des Darmepithels dar.

Studie mit 34 Morbus-Crohn-Patienten

An der Studie nahmen 34 Patienten mit Morbus Crohn teil. Die Aktivität der Erkrankung wurde mit Hilfe des Crohn Disease Activity Index (CDAI) ermittelt.

Die Teilnehmer wurden entsprechend in vier Gruppen aufgeteilt: Remission, schwache Aktivität, mittlere Aktivität und schwere Aktivität.

Ergebnis der Studie: Bei Crohn-Patienten waren die absoluten Zellzahlen von F. prausnitzii und der prozentuale Anteil an der bakteriellen Gesamtzellzahl stark vermindert.

Selbst bei Crohn-Patienten in Remission hätten die Zellzahlen von F. prausnitzii maximal 108 Zellen/g Stuhl betragen. Je stärker die Krankheitsaktivität, desto geringer waren die Zellzahlen von F. prausnitzii.

Auch die Anteile der kurzkettigen Fettsäuren im Stuhl hätten sich stark verändert, heißt es in der Mitteilung des Instituts. Die Konzentration der Essigsäure sei auf 70 Prozent der Gesamtmenge kurzkettiger Fettsäuren gestiegen, während die Anteile an Propionsäure und Buttersäure auf etwa 15 und 8 Prozent absanken.

Bei Gesunden liegt die Konzentration der Essigsäure relativ konstant bei etwa 60 Prozent, die der Propionsäure bei 20 bis 25 Prozent und die der Buttersäure bei 15 bis 20 Prozent.

Buttersäure stärkt die Tight junctions

Von allen kurzkettigen Fettsäuren habe die Buttersäure die größte Bedeutung für die Darmgesundheit. Sie wird vor allem von den Bakterien im Darm gebildet und macht die Hauptenergiequelle der Epithelzellen aus.

Darüber hinaus regulierten die Buttersäure und ihre Derivate die Proliferation und Differenzierung der Zellen und die Apoptose, so das Institut für Mikroökologie.

Die Buttersäure wirke anti-inflammatorisch und spiele eine Rolle bei der Aufrechterhaltung der Integrität der Darmbarriere, indem sie die Verbindungen zwischen den Zellen - die Tight junctions - stärkt.

Damit unterbinde die Buttersäure das Eindringen der Darmflora in das Epithel, eine der Schlüsselursachen der anhaltenden Entzündung bei Morbus Crohn.

Das Institut für Mikroökologie in Herborn bietet nach eigenen Angaben als erstes Labor in Deutschland den Nachweis von F. prausnitzii und Buttersäure im Stuhl an. Sinken Zellzahl und Konzentration, könnten Betroffene mit einer entsprechenden Diät entgegenwirken.

Nahrungsmittel, die reich an Stärke und Ballaststoffen sind, vermehren die Zellzahlen von F. prausnitzii und die Konzentration an produzierter Buttersäure. (eb)

Mehr Infos unter www.mikrooek.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Pneumonien unter Benzodiazepinen

Benzodiazepine sind bei Patienten, die an Morbus Alzheimer leiden, mit einer Häufung von Lungenentzündungen assoziiert. Für Z-Substanzen gilt das womöglich nicht. mehr »

Schelte für die SPD und die Bürgerversicherung

Bei der Eröffnung des 120. Deutschen Ärztetags nahm BÄK-Präsident Montgomery die Gerechtigkeitskampagne der SPD ins Visier. Lob gab es hingegen für Gesundheitsminister Gröhe. mehr »

Psychotherapie bei Borderline nur mäßig erfolgreich

Spezifische Psychotherapien sind bei Borderline-Patienten unterm Strich zwar wirksamer als unspezifische Behandlungen: Allerdings fällt die Bilanz in kontrollierten Studien eher mager aus. mehr »