Colitis ulcerosa / Morbus Crohn

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Ärzte Zeitung, 22.10.2015

Colitis

Stuhltransfer bleibt experimentell

Die fäkale Mikrobiota-Transplantation ist erstmals unter randomisierten Bedingungen bei Colitis ulcerosa getestet worden: in zwei Studien - und mit zwei völlig unterschiedlichen Ergebnissen.

Von Beate Schumacher

HAMILTON/AMSTERDAM. Bei Patienten mit Clostridium-difficile-Infektion lassen sich durch die Übertragung von Fäzes von gesunden Spendern erstaunliche Heilungsraten erzielen. Die Erfolge haben die Hoffnung geweckt, auch andere Erkrankungen, die mit einer Veränderung der mikrobiellen Darmbesiedelung einhergehen, auf diese Weise kurieren zu können.

Dazu gehört auch die Colitis ulcerosa, bei der die Diversität des Darmmikrobioms sowie der Anteil von Firmicutes und Bacteroidetes vermindert sind, auch wenn man nicht weiß, ob diese Verschiebungen Ursache oder Folge der entzündlichen Darmerkrankung sind. Zumindest in Kasuistiken und kleinen Fallserien wurden positive Effekte einer fäkalen Mikrobiota-Transplantation (FMT) beschrieben.

Erstmals gibt es dazu jetzt Ergebnisse aus randomisierten Studien. Von den beiden in "Gastroenterology" publizierten Untersuchungen hat allerdings nur eine den angestrebten primären Endpunkt erreicht.

Mehr Patienten in Remission

Diese Studie wurde von Ärzten um Paul Moayyedi von der McMaster-Universität im kanadischen Hamilton durchgeführt (Gastroenterology 2015; 149: 102-109). Sie war zwar zunächst vorzeitig gestoppt worden, weil bei einer Interimsanalyse kein Nutzen der FMT zu erkennen war.

Eine spätere Auswertung aller zu diesem Zeitpunkt bereits in die Studie aufgenommenen Patienten ergab jedoch einen signifikanten Vorteil durch den Stuhltransfer: Nach sieben Wochen waren 24 Prozent der FMT-Patienten (9 von 38), aber nur 5 Prozent der Placebopatienten (2 von 37) in Remission. Als Remission galt ein MAYO-Score ≤ 2 in Verbindung mit einem endoskopischen MAYO-Score von 0.

Alle Teilnehmer hatten an leichter bis mittelschwerer aktiver Colitis ulcerosa gelitten. Die Studienbehandlung - suspendierte Fäzes von gesunden Spendern oder Wasser - war sechs Wochen lang einmal wöchentlich per Einlauf appliziert worden.

Patienten mit erst kürzlich diagnostizierter Erkrankung sprachen besser auf die Stuhlübertragung an. Tendenziell galt dies auch für Patienten mit begleitender immunsuppressiver Behandlung und die Empfänger der Fäzes eines bestimmten Spenders.

Darmbesiedlung verändert

Die Mikrobiomdiversität hatte bei den FMT-Patienten signifikant stärker zugenommen als bei den Kontrollpatienten. Im Hinblick auf Nebenwirkungen waren die beiden Gruppen vergleichbar.

"Die Veränderung des Darmmikrobioms könnte ein vielversprechender Weg zur Behandlung der Colitis ulcerosa sein", lautet das optimistische Fazit der Studienautoren.

Diese Einschätzung wird durch die Ergebnisse der zweiten Studie allerdings nicht gestützt. In der Untersuchung von Noortje G. Rossen von der Universität Amsterdam und Kollegen erzielte die Applikation von Fäzes von gesunden Spendern bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer aktiver Colitis ulcerosa keine bessere Wirkung als die Verabreichung von autologem Stuhl (Gastroenterology 2015; 149: 110-118).

Den primären Endpunkt - klinische Remission (Simple Clinical Colitis Activity Index, SCCAI ≤ 2) plus ein Rückgang des endoskopischen MAYO-Score um mindestens einen Punkt nach zwölf Wochen - erreichten 30,4 Prozent (7 von 23) der Patienten mit Fremd-FMT und 20 Prozent (5 von 25) der Kontrollpatienten mit Eigen-FMT. Auch die getrennte Betrachtung von klinischem und endoskopischem Ansprechen förderte keine signifikanten Unterschiede zutage.

Die Studie unterscheidet sich allerdings in wesentlichen Punkten von der vorher beschriebenen: Die Fäzessuspension wurde hier über eine Magensonde verabreicht, und dies auch nur zweimal im Abstand von drei Wochen. "Diese Applikationsform war möglicherweise suboptimal", räumen Rossen und seine Kollegen ein.

Was allerdings auch in der niederländischen Studie zu erkennen war, war eine Veränderung der Darmbesiedlung in Richtung des Spender-Darmmikrobioms, wenn die Patienten auf den Fremdfäzes-Transfer angesprochen hatten.

Darreichungsform und Dosierung im Fokus

Die niederländischen Studienautoren sehen in ihren Ergebnissen daher auch nicht das Aus für die fäkale Mikrobiota-Transplantation bei Patienten mit Colitis ulcerosa. Vielmehr müsste in künftigen Untersuchungen das Augenmerk auf die Darreichungsform, die Dosierung und die passende Auswahl von Spendern und Empfängern gelegt werden.

Auch die Autoren eines begleitenden Editorials, Ari M. Grinspan von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai (New York) und Colleen R. Kelly von der Brown University (Providence), betonen die Notwendigkeit größerer Studien, um die Wirksamkeit und Sicherheit der FMT bei Colitis ulcerosa zu ermitteln.

"Auf der Basis der vorliegenden Daten gehört die FMT weiter in klinische Studien und nicht in die klinische Praxis." Ob das so bleibt, hängt wohl von den Ergebnissen von weiteren fünf randomisierten kontrollierten Studien ab, die bereits angemeldet sind.

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