Verstopfung und Sodbrennen

Brechdurchfall mit Spätfolgen

Norovirus-Infektionen sind nicht gerade als chronische Erkrankung bekannt. Jetzt haben US-Forscher allerdings gezeigt, dass Patienten nach einer Erkrankung ein erhöhtes Risiko für Spätfolgen haben.

Von Dr. Dagmar Kraus Veröffentlicht:
Noroviren: Kleiner Erreger mit Auswirkung.

Noroviren: Kleiner Erreger mit Auswirkung.

© Charles D. Humphrey / CDC

MARYLAND. Eine Norovirus-Infektion ist zwar unangenehm, doch in der Regel verläuft sie selbstlimitierend. Im Normalfall ist nach zwei bis drei Tagen Erbrechen oder Durchfall der Spuk vorbei. Doch offenbar scheint es auch Spätfolgen der Infektion zu geben.

Auch wenn die akuten Symptome einer Noroviren-Infektion abgeklungen sind, könnte damit noch lange nicht alles ausgestanden sein: Denn laut einer aktuellen US-amerikanischen retrospektiven Kohortenstudie klagen Infizierte später öfter über Dyspepsie, Verstopfung oder Sodbrennen als Menschen ohne vorausgegangene Infektion (Clin Infect Dis. 2012; 55(7): 915-922).

Demnach war das Risiko für eine dieser funktionellen gastrointestinalen Erkrankungen nach einer Norovirus-Infektion 1,5-fach höher als bei jenen Menschen, die niemals mit diesen Viren infiziert waren.

Chad Porter vom Naval Medical Research Center in Silver Spring und seine Kollegen verglichen die Krankengeschichten von 1718 US-Soldaten und -Soldatinnen, die zwischen 2004 und 2011 während einer von drei dokumentierten Norovirus-Epidemien an einer akuten Gastroenteritis erkrankt waren, mit denen einer Kontrollgruppe nicht-infizierter Personen.

Jedem Patienten stellten sie vier Probanden mit ähnlichen demografischen Charakteristika gegenüber und werteten die Krankenakten im Hinblick auf funktionelle gastrointestinale Beschwerden aus, durchschnittlich über einen Zeitraum von 4,5 Jahren.

Erkrankungen lieber gleich vorbeugen

Mit 294 Diagnosen und einer Gesamtinzidenz von 761 Fällen pro 100.000 Personenjahre führte der Reflux die Liste der gastrointestinalen Beschwerden an. Dabei war die Refluxinzidenz in der Gruppe mit vorausgegangener Norovirus-Infektion deutlich höher als in der Kontrollgruppe (adaptiertes RR: 1,39).

Auch über Beschwerden wie Dyspepsie (adaptiertes RR: 1,44) und Obstipation (adaptiertes RR: 1,32) klagten die Teilnehmer mit vorausgegangener Infektion häufiger, wobei der Unterschied bei der Reizmagensymptomatik nicht signifikant war.

Allerdings unterschied sich die Dyspepsie-Rate zwischen den Norovirus-Infizierten der drei Epidemien, sodass zumindest bei denjenigen Patienten, die sich während der zweiten Norovirus-Epidemie (Dezember 2004 bis April 2005) infiziert hatten, die Dyspepsie-Rate 1,7-mal - und damit signifikant - höher war als die der Nicht-Infizierten.

Die Subgruppen unterschieden sich auch hinsichtlich Refluxbeschwerden und Verstopfung, wenn auch deutlich geringer. Mit jährlich fast 21 Millionen Fällen pro Jahr ist das Norovirus die häufigste Ursache infektiöser Magen-Darm-Erkrankungen in den USA.

Auch in Deutschland rangieren die Noroviren mit etwa 170.000 gemeldeten Infektionen pro Jahr an Platz eins. Angesichts dieser Tatsache sei es um so wichtiger, mögliche Spätfolgen dieser Infektion zu kennen, betonen die US-amerikanischen Studienautoren.

Die künftige Herausforderung bestünde aber nicht nur darin, die Spätfolgen der Infektion aufzudecken, sondern Strategien zu entwickeln, wie diesen eventuell vorzubeugen ist.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Chronische Wunden

Wundauflagen klug auswählen. So geht´s!

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie ticken Menschen mit Autismus, Prof. Freitag?

Lesetipps
Ein Impfbuch.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Robert Koch-Institut

Impfkalender für 2026: Die Neuerungen im Überblick

Ein Mann sitzt vor einem Laptop und hat die Website von ChatGPT geöffnet.

© Frank Rumpenhorst/dpa

KI verweigert Assistenz beim Suizid

Fallbeispiel: ChatGPT empfahl ärztliche Hilfe bei Psychose

Männer spielen Beachvolleyball

© LuneVA/peopleimages.com / stock.adobe.com

Interview mit Physiotherapeutin

Bewegung bei Nackenschmerzen: Welcher Sport ist der richtige?