Ärzte Zeitung, 20.09.2006

Plädoyer für Eradikation von Helicobacter pylori

Magenkrebs-Prophylaxe durch Therapie überwiegt erhöhtes Risiko für Ösophagus-Ca / Triple-Therapie empfohlen

HANNOVER (grue). In Konsensus-Leitlinien wird eine Eradikation des Magenkeims Helicobacter pylori etwa für infizierte Patienten empfohlen, die ein peptisches Ulkus oder eine atrophische Gastritis haben. Denn bei H.-pylori-Infektionen ist das Risiko für distale Magenkarzinome erhöht.

Der Magenkeim Helicobacter pylori im elektronenmikroskopischen Bild. Foto: Prof. H. Steininger

Die Eradikation des Magenkeims stoppt die atrophische Gastritis und kann vor Magenkrebs schützen. Und: "Nach der Eradikation der Keime kommt es weder zur Verschlechterung einer vorbestehenden Refluxkrankheit noch zu einem generell erhöhten Risiko für Ösophaguskarzinome."

Darauf wies Professor Hubert Stein aus Salzburg auf einer Veranstaltung von Altana und Abbott beim Gastroenterologen-Kongreß in Hannover hin.

Über den Zusammenhang zwischen H.-pylori-Infektion und der Entstehung von Krebs in Speiseröhre und Magen diskutieren Spezialisten seit Jahren kontrovers. Die Datenlage faßte Stein in Hannover zusammen:

  • Eine H.-pylori-Infektion hat keinen Einfluß auf die Häufigkeit von proximalen Magenkarzinomen, erhöht jedoch das Risiko für distale Magenkarzinome.
  • In der Speiseröhre steigt bei Anwesenheit von H. pylori das Risiko für Plattenepithelkarzinome leicht an, das Risiko für Adenokarzinome ist dafür geringer.

Also müsse abgewogen werden, so der österreichische Gastroenterologe: einerseits das durch Eradikation teilweise erhöhte Krebsrisiko in der Speiseröhre, andererseits der damit erzielte Schutz vor Magenkrebs. Die Entscheidung sollte zugunsten der Eradikation ausfallen, denn Magenkrebs sei in Deutschland immer noch häufiger als Speiseröhrenkrebs, sagte Stein.

Auch Professor Christian Prinz aus München sprach sich bei Patienten mit passender Indikation klar für eine Eradikationstherapie aus. Dabei sei ebenfalls das Hauptargument, daß mit der Elimination der Keime das Magenkrebsrisiko sinkt.

Helicobacter pylori wird mit einer säurehemmenden und antibiotisch wirksamen Triple-Therapie eradiziert, zum Beispiel mit dem Protonenpumpenhemmer Pantoprazol und den beiden Antibiotika Amoxicillin und Clarithromycin. Diese Kombination wird vom Unternehmen als ZacPac® angeboten.

Die Konsensus-Leitlinien zu Hp stehen unter : www.helicobacter.org; unten auf der Seite steht ein Link zum Maastricht 3 Consensus Report (Download).

STICHWORT

Helicobacter pylori

Bei dem Keim Helicobacter pylori handelt es sich um ein grammegatives, spiralig gekrümmtes Bakterium, das am Zellpol Geißeln trägt. Es kolonisiert und infiziert die Magenschleimhaut zwischen den Oberflächenepithelien. Mit dem Enzym Urease bildet der Keim aus Harnstoff Ammoniak und neutralisiert damit die Magensäure der unmittelbaren Umgebung. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral.

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