Ärzte Zeitung, 20.08.2015

ADHS

Mit Therapie ist die Prognose eher positiv

Jedes vierte Kind hat ADHS auch später als junger Erwachsener noch. Sehr ungünstige Verläufe sind aber selten.

Von Christine Starostzik

Mit Therapie ist die Prognose eher positiv

Problemfeld Hausaufgaben: Kinder mit ADHS machen häufig nur den Hauptschulabschluss.

© Tatyana Gladskih / fotolia.com

MÜNCHEN. Die Prognose von ADHS-Patienten mit Therapie ist langfristig eher positiv, hat die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Janet Mandler aus Nümbrecht in NRW berichtet.

Beim DGKJP-Kongress in München stellte sie Langzeitdaten der Kölner Adaptive Multimodale Therapiestudie (KAMT) vor.

In KAMT wurden 75 Sechs- bis Zehn-Jährige mit ADHS aufgenommen. Sie erhielten zunächst eine adaptive Therapie von maximal sechs Monaten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Köln.

Dabei wurden die Probanden nach einleitender Beratung entweder ausschließlich verhaltenstherapeutisch (zum Teil THOP) oder neben der Psychoedukation mit Stimulanzien behandelt. Das Akronym THOP steht für Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten.

In den nachfolgenden Phasen schloss sich, je nach Behandlungserfolg, entweder eine reine Verhaltenstherapie (VT) an oder die medikamentöse Therapie wurde mit VT oder Psychoedukation kombiniert.

Im Follow-up konnten die adaptiven multimodalen Interventionen je nach Bedarf fortgesetzt werden. Innerhalb der Gesamtbeobachtungszeit von 17,5 Jahren wurden bei 70 Probanden zu verschiedenen Zeitpunkten persönliche, telefonische oder Online-Untersuchungen durchgeführt.

Hoher Anteil an Hauptschulabgängern

Nach Abschluss der sechsmonatigen Intensivtherapie wurden deutlich positive Effekte sowohl bei den Patienten mit VT als auch bei den Probanden mit kombinierten Therapien festgestellt.

Bis zur 8-Jahres-Katamnese ergab sich mit der individuell angepassten Langzeittherapie eine Stabilisierung der erreichten Erfolge.

Am Studienende nach 17,5 Jahren hatten die Probanden ein Alter zwischen 22 und 32 Jahren erreicht. Zu diesem Zeitpunkt waren 8 Prozent noch ohne Schulabschluss.

Das ist nicht ungewöhnlich hoch: Bei 18- bis 24-Jährigen in der Allgemeinbevölkerung sind dies 12 Prozent.

Auffällig bei ADHS war allerdings der hohe Anteil an Hauptschulabgängern, der mit 45 Prozent mehr als doppelt so hoch liegt wie in der Allgemeinbevölkerung, so Mandler.

Mit 26 Prozent lag auch der Anteil der Betroffenen ohne abgeschlossene Berufsausbildung deutlich über dem Durchschnitt (Allgemeinbevölkerung: 14 Prozent bei den 20- bis 29-Jährigen). 17 Prozent der ADHS-Patienten gaben an, derzeit ohne Beschäftigung zu sein (Gleichaltrige ohne ADHS: 14-17 Prozent).

ADHS-Patienten hatten überwiegend handwerkliche Berufe (60 Prozent). Mit ihrem Leben waren sie eher nicht zufrieden, was vor allem die Bereiche Gesundheit, Arbeit, Kinder sowie die eigene Person betrifft.

23 Prozent der Probanden erfüllten im jungen Erwachsenenalter noch vollständig die Kriterien für eine ADHS, meist vom unaufmerksamen Typ. Bei 59 Prozent wurde eine partielle Remission diagnostiziert, die überwiegend dem Mischtyp angehörte.

Verhaltensauffälligkeiten bei 17 Prozent

Als Komorbiditäten fielen vor allem internalisierende Störungen ins Gewicht: Je nach Fremd- oder Selbsteinschätzung waren hier 23,4 beziehungsweise 18,5 Prozent der Probanden klinisch auffällig.

17 Prozent zeigten laut Fremdurteil externalisierende Verhaltensauffälligkeiten.

Erhöht war auch der Anteil derer mit klinisch auffälligem Substanzmissbrauch, insbesondere Zigaretten und Drogen.

Auf die Frage nach aktuellen Therapien gaben rund 18 Prozent an, sie benötigten auch im Erwachsenenalter noch psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung, meist wegen Psychosen oder zum Alkohol- oder Drogenentzug. Psychopharmaka nahmen 16,7 Prozent ein, darunter vorwiegend Neuroleptika und Antiepileptika.

20 Prozent der Probanden zeigten auch im Erwachsenenalter eine Symptomatik, die laut Prognose der Studienautoren noch behandlungsbedürftig ist. Bei den meisten dieser Patienten genügten der Auswertung zufolge allerdings gelegentlich stützende Maßnahmen.

Rund 30 Prozent litten unter einer behandlungsbedürftigen Begleiterkrankung und 22 Prozent unter mäßigen bis übergreifenden sozialen Beeinträchtigungen. Insgesamt prognostizierten die Studienautoren 35 Prozent der Patienten, dass sie auch weiterhin professionelle Hilfe benötigen werden.

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