Ärzte Zeitung, 10.04.2006

Weniger Angst vor Vogelgrippe als angenommen

Menschen, die sich ständig wegen Vogelgrippe sorgen, haben eventuell eine generalisierte Angststörung

WÜRZBURG (dpa). Die Angst vor der Vogelgrippe ist in der Bevölkerung deutlich geringer ausgeprägt als gemeinhin angenommen. "Bei uns haben sich nur sehr wenige Leute gemeldet, die tatsächlich starke Angst vor der Krankheit haben", sagte der Psychologe und Angstforscher Georg Alpers von der Universität Würzburg der dpa.

Sein Team erstelle derzeit eine Studie, für die Menschen zu ihrer Angst vor der Vogelgrippe befragt werden. Den ersten Ergebnissen zufolge ist die spezielle Furcht, sich mit dem Virus anzustecken, kaum verbreitet. "Die wenigen, die tatsächlich unter starker Angst davor leiden, berichteten uns, daß sie generell eher ängstlich sind", sagte Alpers.

Medienberichte über Panik, Hysterie und psychotischen Zustände - gerade zu Beginn der Vogelgrippe-Ausbreitung - seien übertrieben gewesen. "Das sind auch völlig falsche Begriffe. Sie haben nichts zu tun mit diesen Gesundheitsängsten." Wer wegen der Furcht vor der Vogelgrippe ständig grüble und dadurch in seinem Leben beeinträchtigt werde, habe eventuell eine generalisierte Angststörung - das müsse im Einzelfall überprüft werden.

Alpers zufolge müssen die Medien die Menschen auch nach der Ausbreitung der Vogelgrippe auf Nutzgeflügel sachlich informieren und auf reißerische Überschriften verzichten. "Solide Informationen können dazu beitragen, daß die Menschen Ängste abbauen."

Das habe sich auch in den vergangenen Wochen gezeigt, in denen die Berichterstattung sachlicher geworden und seltener über Panik und Hysterie gesprochen worden sei. "Im Grunde genommen ist die Krankheit ja nicht harmloser geworden und trotzdem wird sachlicher diskutiert."

Die offiziellen Stellen sowie beteiligte Wissenschaftler stünden ebenfalls in der Pflicht, objektiv über die Situation zu berichten. "Die Behörden müssen offen über mögliche Gefahren sprechen. Sobald die Bürger das Gefühl haben, daß etwas vertuscht werden soll, entstehen natürlich Ängste", sagte Alpers. Auch wenn sich Verantwortliche gegenseitig beschuldigten, etwas falsch zu machen, erzeuge das kein Vertrauen.

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