Ärzte Zeitung, 24.10.2012

Kommentar zu Benzodiazepinen

Das Kreuz mit der Kausalität

Von Thomas Müller

Schlaftabletten bringen einen früher ins Grab, und Benzodiazepine machen dement - das legen einige aktuelle Studien nahe und sind dennoch kaum das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind.

Nicht, weil die Forscher geschludert haben, sondern weil epidemiologische Studien nicht klären können, was hier Ursache und Wirkung ist. Das können solche Studien zwar generell nicht, aber oft lassen sie nur wenige plausible Erklärungen zu und legen dadurch eine kausale Beziehung nahe.

Bei der Frage, weshalb der Benzodiazepin-Konsum mit einer erhöhten Sterbe- und Demenzrate einhergeht, gibt es jedoch viele Erklärungen.

Eine der plausibelsten ist, dass Menschen, die solche Mittel erhalten, schwer krank sind oder am Beginn einer Demenz stehen, deswegen unter Ängsten und Schlafstörungen leiden, wogegen sie die Medikamente bekommen. Diese nahe liegende Annahme konnte bisher noch in keiner Studie ausgeschlossen werden.

Doch egal, was Ursache und Wirkung ist - für die Praxis ist dies kaum relevant. Denn Benzodiazepine sollten generell nur kurzfristig eingenommen werden. Und wer nur gelegentlich für ein paar Tage solche Mittel benötigt, der braucht eine Demenz wohl kaum zu fürchten.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Kausalität unklar: Erhöhte Demenzrate unter Benzodiazepinen

[24.10.2012, 15:02:39]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Kausalität und begleitende Koinzidenz?
Wenn Demenz mit Unruhe, Verwirrtheit, Desorientierung, Zeitgitterstörungen und Schlafstörungen verbunden ist, können symptomlindernde, sedierende Benzodiazepine und eher aktivierende Antidementiva in Betracht gezogen werden. Die Krankheit selbst und ihre präklinischen Vorstufen induzieren eine symptomorientierte, möglichst adäquate Therapie. Dabei liegt es statistisch auf der Hand, dass pharmakologische Substanzen h ä u f i g e r bei den (später) Erkrankten als in einer Vergleichspopulation angewandt werden. Diese Medikamente verursachen und bewirken nicht die Demenz - sie begleiten diese komplexe Krankheit nur.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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