Ärzte Zeitung, 09.07.2014

Angststörung

Studie läuft mit L-Dopa

Ein Mittel gegen Parkinson kann möglicherweise auch Menschen helfen, die unter Phobien oder post-traumatischen Störungen (PTSD) leiden.

MAINZ. Wissenschaftler des Forschungszentrums Translationale Neurowissenschaften (FTN) der Universitätsmedizin Mainz untersuchen derzeit eine Kombination zweier Therapieoptionen: eine Psychotherapie, die Ängste abbauen soll, gepaart mit der Einnahme von L-Dopa. Dieses Medikament, das bislang zum Einsatz kam, um Bewegungsstörungen zu behandeln, könnte auch dazu dienen, negative Erinnerungen zu überwinden, teilt die Uni Mainz mit.

Um Angststörungen oder Phobien zu behandeln, verwenden Psychotherapeuten die sogenannte "Angst-Exposition". Doch selbst nach einer erfolgreichen Exposition ist nicht auszuschließen, dass in anderen Stresssituationen die Angstassoziationen wieder hochkommen.

Dies könnte sich dann auf die Entwicklung einer PTSD auswirken sowie einen Rückfall nach erfolgreicher Psychotherapie bewirken. L-Dopa hilft, dies zu vermeiden, haben nun Forschungen von Professor Raffael Kalisch vom FTN der Uni Mainz ergeben.

Das Gehirn nimmt L-Dopa auf und wandelt es in Dopamin um. Dopamin steuert das Belohnungssystem im Gehirn, beeinflusst den Bewegungsapparat und wirkt sich darauf aus, ob Erinnerungen im Gedächtnis festgehalten werden.

Ein Mensch, der nach einer Exposition L-Dopa einnimmt, wird eine stärkere sekundäre positive Erinnerung an die Expositionsphase entwickeln und so leichter die negativen Erinnerungen ersetzen können.

Daher wird L-Dopa möglicherweise künftig auch zur Prävention von Rezidiven bei PTSD- oder Phobiepatienten eingesetzt. Die hier beschriebenen Forschungsergebnisse von Kalisch und Kollegen werfen neue Fragen über die Rolle der primären Angsterinnerungen und die Sekundärprävention mittels L-Dopa auf.

"Ziel ist es, die Langzeiteffekte einer Psychotherapie durch die Kombination mit L-Dopa zu verbessern", wird Kalisch in der Mitteilung zitiert. Vor diesem Hintergrund hat er auch eine klinische Studie über Spinnenangst gestartet. Sie soll unter anderem dazu dienen, die Auswirkungen von L-Dopa auf den Therapieerfolg festzustellen. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »