Ärzte Zeitung, 22.01.2004

Bipolar Erkrankte profitieren von Quetiapin

Atypisches Neuroleptikum reduziert rasch sämtliche Symptome der akuten Manie / Studienergebnisse von 1000 Kranken

MÜNCHEN (wst). Ursprünglich eingeführt zur Behandlung bei Schizophrenie, ist das atypische Neuroleptikum Quetiapin (Seroquel®) seit 1. Dezember 2003 auch zur Therapie von bipolar erkrankten Patienten mit mäßigen bis schweren manischen Episoden zugelassen. In der neuen Indikation hat sich Quetiapin in kontrollierten Studien als rasch und anhaltend wirksam sowie gut verträglich erwiesen.

Das hat Dr. Heinz Christoph Robert Grunze von der Ludwig-Maximilians-Universität München auf einer Veranstaltung des Unternehmens AstraZeneca berichtet. Grunze stützte seine Aussage vor allem auf die Ergebnisse von vier Placebo-kontrollierten Zulassungserweiterungs-Studien mit Quetiapin bei etwa 1000 akut manischen Patienten.

Mit einer Therapie mit rasch hochdosierbarem Quetiapin konnten sämtliche Symptome einer akuten Manie, so vor allem auch aggressive, dysphorische oder psychotische Anteile, schnell reduziert werden.

In den beiden auf zwölf Wochen angelegten Monotherapie-Studien hatten bei durchschnittlichen Tagesdosen von 600 mg Quetiapin nach 21 Tagen etwa 38 Prozent (Placebo: 25 Prozent) und nach 84 Tagen etwa 65 Prozent (Placebo: 35 Prozent) der Patienten eine Remission. Definiert wird eine Remission als ein Wert von unter zwölf auf der Young Mania Rating Scale (YMRS).

In einer Kombinationstherapie-Studie konnte mit Lithium/Valproinsäure plus Quetiapin innerhalb von drei Wochen eine signifikant höhere Remissionsrate (46 Prozent) erzielt werden als unter Lithium/Valproinsäure plus Placebo (28 Prozent). In der zweiten Kombinationsstudie mit den gleichen Partnern wurde aufgrund einer hohen Placebo-Response nur ein tendentieller Vorteil der Quetiapin-Addition ersichtlich.

In den vier Studien lägen die Raten unerwünschter Wirkungen mit dem atypischen Neuroleptikum nicht über Placebo-Niveau, so Grunze. Vor allem löse Quetiapin keine extrapyramidal-motorischen Störungen und keine Prolaktinspiegeländerungen aus. Darüber hinaus fanden sich keine Hinweise auf depressionsfördernde Effekte der Therapie.

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