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Musiker leben gefährlich - nur die Sänger nicht

BREMEN (cben). Noch bis zum 18. Juli singen in Bremen 18 000 Chorsängerinnen und -sänger während der dritten internationalen Chor-Olympiade um die Wette. Nicht nur für die Zuhörer eine wohltuende Angelegenheit. Denn glaubt man der medizinischen Phoniatrie, ist das richtige Singen die einzige für den Künstler garantiert unschädliche Art des Musizierens.

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"Viele vor allem Profi-Musiker erleiden den sogenannten Musiker-Krampf", sagt Martin Ptok, Direktor der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Beim Musikerkrampf versagt die Kommunikation zwischen Hand und Hirn. Plötzlich rollen sich die Finger ein, und statt perlender Arpeggien und komplizierter Griffmuster gelingt dem Interpreten nicht einmal schlichtes Klimpern.

"Untersuchungen haben gezeigt, daß einzig die Sänger von der Gefahr des Musikerkrampfes ausgenommen sind", sagt Ptok. Das Singen ist scheinbar die einzig wirklich gesunde, weil natürliche Art des Musizierens. Denn während Pianisten, Gitarristen oder Geiger ihrem Hirn mit dem ständigen Üben unnatürliche Bewegungsabläufe eintrichtern, "wecken Sänger mit ihrem Tun eine natürliche, sozusagen im Gehirn schlafende Gabe", erklärt Ptok. "Beim falschen Singen kann man vielleicht einmal Stimmbandknötchen bekommen, aber grundsätzlich läßt sich der Gesang schadlos bis zu einem sehr hohen Leistungslevel optimieren."

Daß der Gesang genuin menschlich ist, braucht man den Bremern dieser Tage nicht zu erklären. Südafrikanische Rhythmen, amerikanischer Jazz, lettische Volksweisen oder chinesische Lieder des Beijing International Childen’s Choir zeigen den Hanseaten und Angereisten, daß alle Menschen Lieder haben.

Aber manche vergessen, sie zu singen. "Darum empfehlen wir älteren Menschen zu singen, um der vorzeitigen Greisenstimme vorzubeugen", sagt Ptok. Auch Kleinkindern helfen Lieder. Denn singen sie nie, erlernen sie auch nicht die Bedeutung von Klang und Rhythmus der Sprache - mit fatalen Folgen für die Alltagskommunikation. "Sie erkennen die Worte, können aber nicht den Unterschied etwa von ‚Hunger?‘ und ‚Hunger!‘ verstehen", so Ptok. Selbst die Gefahr eines Schnupfens sinke bei Sängern. Die Vibration der Schleimhäute beim Singen erschwere eine Infektion.

Unter den gefürcheten Musikerkrämpfen habe auch der berühmte Pianist Glenn Gould gelitten, berichtet Ptok. Denkt man einen Schritt weiter, erklärt sich vielleicht das ständige Mitsummen des kanadischen Interpreten beim Spiel. Es könnte heilsam gewesen sein. Gegen die Krämpfe hat sein Summen vielleicht geholfen, gegen seinen frühen Tod nicht. Er starb 1982 mit 50 Jahren - an einem Herzinfarkt.

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